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Boden als Lebensgrundlage

Warum wir eine gerechte Bodenordnung brauchen

Ein Acker mit ein paar Bäumen am Ende und Rapspflanzen im Vordergrund.

© Bild_von_Ann_auf_Pixabay-4163595.jpg

Der Boden, auf dem wir stehen, ist mehr als nur Fläche – er ist ein unverzichtbares Gut, das wir alle zum Überleben benötigen. Da der Mensch weder fliegen noch dauerhaft auf dem Wasser leben kann, ist der Zugang zu Grund und Boden eine existentielle Notwendigkeit. Damit ist Boden nicht nur ein wirtschaftliches, sondern vor allem ein gesellschaftliches und lebenswichtiges Gut, das gerecht und sinnvoll für alle Lebewesen genutzt werden sollte. Doch die Realität sieht anders aus. Eine falsche Bodenordnung führt heute zu massiven Problemen, die Wirtschaft, Natur und Gesellschaft gleichermaßen belasten. Das natürliche Monopol: Die Krux mit dem Bodeneigentum Boden ist begrenzt und unvermehrbar. Diese Tatsache macht ihn zu einem natürlichen Monopol. In der Geschichte finden wir den Missbrauch dieses Monopols im Feudalismus; heute zeigt er sich in modernen Formen wie Land Grabbing oder Rent Grabbing. Problematisch wird es dann, wenn Bodeneigentum über die eigenen Fähigkeiten zur Bewirtschaftung hinausgeht. Wer mehr Boden besitzt, als er selbst nutzen kann, verpachtet oder vermietet diesen. Die daraus resultierende Pacht oder Miete wird jedoch nicht vom Eigentümer selbst, sondern von den Mietern und Pächtern erwirtschaftet. In der Ökonomie sprechen wir hier von einer ökonomischen Rente – einem leistungslosen Einkommen, das dem „Rentier“ zufließt, ohne dass dieser einen aktiven Beitrag zur Wertschöpfung geleistet hat.
Die Lage als gesellschaftlicher Wert
Besonders deutlich wird dies bei Immobilien. Der Wert einer Wohnung wird maßgeblich durch ihre Lage bestimmt. Eine Stadtwohnung ist teurer als eine Wohnung im Dorf. Doch warum? Die „gute Lage“ ergibt sich aus: • Anschluss an den ÖPNV und Straßennetze. • Zugang zu Arbeitgebern, Schulen, Geschäften und Kultur. • Infrastruktur wie Wasser-, Strom- und Gasversorgung. Diese Werte werden von der Allgemeinheit geschaffen. Der Unterschied zwischen den Mieteinnahmen und den Kosten, z.B. für die Instandhaltung, nennt man Bodenrente. Diese entsteht vor allem durch gesellschaftliche Vorleistungen wie dem städtischen Umfeld oder einer wirtschaftlich bzw. touristisch attraktiven Region. Aktuell schöpfen vor allem Privateigentümer diesen gemeinschaftlich geschaffenen Wert über die Miete ab. Das ist zwar im aktuellen System absolut legitim, aber gesamtgesellschaftlich dennoch hochgradig problematisch.
Die Fairconomy-Lösung: Die Bodenwertsteuer
Wie lässt sich dieses System korrigieren? Die Fairconomy verfolgt den Ansatz einer gerechten Bodenordnung durch die Einführung der Bodenwertsteuer (oder Bodensteuer). Hierbei wird die Grundsteuer so reformiert, dass ausschließlich der Bodenwert bzw. die Bodenrente besteuert werden, nicht jedoch das Gebäude selbst oder andere Leistungen, die der Eigentümer selbst geschaffen hat.
Die Vorteile der Bodenwertsteuer auf einen Blick:
1. Stoppt Bodenspekulation: Es lohnt sich nicht mehr, unbebaute Grundstücke nur zur Wertsteigerung zu halten.
2. Senkt die Mieten: Da die Steuer den Bodenwertzuwachs abschöpft, sinkt der Anreiz für überhöhte Mieten.
3. Schafft bezahlbaren Wohnraum: Der Druck zur effizienten Nutzung von Flächen steigt.
4. Fördert Investitionen: Wer baut oder saniert, wird nicht durch höhere Steuern bestraft, da nur der Boden besteuert wird.
5. Bürokratieabbau: Die Bewertung von Boden ist deutlich einfacher als die Bewertung komplexer Gebäude.
6. Umweltschutz: Durch die Schließung von Baulücken wird die Zersiedelung der Landschaft (Flächenfraß) verhindert. Mit den Einnahmen aus einer konsequenten Bodenwertsteuer könnte der Staat zudem andere, leistungsmindernde Steuern reduzieren oder gänzlich ersetzen. Zusätzlich zu Bodenwertsteuer können aber auch gesellschaftliche Aufgaben direkt aus einem damit verbundenen Bodenfond finanziert werden. So kann z.B. nach Hongkonger Vorbild eine Bahn-Boden-Gesellschaft die Bodenrenten, die sich aus der Infrastrukturleistung der Bahn ergeben, selbst zu Finanzierung des Schienennetzes nutzen. Bisher landen diese vor allem in privaten Kassen, während die Bahn nach außen hin Verluste schreibt und zugleich chronisch unterfinanziert ist.
Fazit: Ein neues Fundament für die Gesellschaft
Das aktuelle Problem ist eindeutig: Wir leiden unter steigenden Mieten, Obdachlosigkeit und einer zunehmenden Reichtums- und Armutsschere, weil leistungsloses Einkommen aus dem Bodenmonopol in private Taschen fließt. Zugleich finanzieren die Lohn- und Verbrauchssteuern eine (sich langsam verschlechternde) Infrastruktur, von der am Ende vor allem die Bodeneigentümer profitieren. Die Lösung der Fairconomy: Eine gerechte Besteuerung mittels Bodenwertsteuer stellt sicher, dass jedem Menschen das gleiche Recht auf Teilhabe am Boden zukommt. Sie befreit Bürger von hohen Steuerlasten und sorgt für bezahlbaren Wohnraum. Die Bodenwertsteuer ist ein einfaches, effektives und gerechtes Instrument für ein sozialeres und sicheres Leben. Sie kann ergänzt werden mit kommunalen oder zweckgebundenen Bodenfonds zur direkten Finanzierung von Infrastruktur.

Autoren: Bastian Kranz und Matthias Klimpel