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FAIRCONOMY-Newsletter 99

- Vortragsvideos von der letzten Fairconomy-Tagung

- Datum und Programm der kommenden Fairconomy-Tagung

- Makronom-Reihe zum Thema Boden

- Reichensteuer, Erbschaftssteuer, Wegzugssteuer...

1. Aktuelles

Fairconomy in der „Gastwirtschaft“

Trotz sinkendem Ölpreis: Ökonom erklärt, warum die Preise an der Zapfsäule hoch bleiben heißt ein Gastwirtschaft-Beitrag vom INWO-Vorsitzenden Felix Fuders (vom 9.4).

Klaus Willemsen ist mit Deutschland hat ein Wohlstandsproblem der anderen Art am 29.5. veröffentlich worden.

INWO.de & Co

Mit »Unsere Wohnungen versklaven uns« kommentiert Klaus Willemsen (am 30.3.) eine Handelsblatt-Kolumne.

Von Werner Onkens Buch Grundrisse einer Marktwirtschaft ohne Kapitalismus im Oekonom-Verlag ist jetzt die englische Übersetzung Foundations of a Market Economy Without Capitalism erschienen. Im Gegensatz zur deutschen Version, von der man immerhin 20 Seiten „Leseprobe“ kostenlos lesen kann, ist die englische Version (75 Seiten) sogar komplett kostenlos online lesbar.

Werner Onken hat außerdem den 56-seitigen Aufsatz Faschismus als Chamäleon auf seiner privaten Website veröffentlicht (27.5.).

Von der Fairconomy-Herbsttagung 2025 gibt es jetzt mehrere Vortrags-Aufzeichnungen im Fairconomy-Youtube-Kanal:

Die INWO-verwandte Zeitschrift für Sozialökonomie (online) veröffentlichte am 6.5 den Artikel Wer engagiert sich wie, um unser Finanzsystem und unser Geld dienlicher zu gestalten? von Holger Kreft.

2. Termine

12.-14. Juni, Neustadt a.d. Weinstraße: Workshop „Geld neu erleben und gestalten“ mit Holger Kreft.

12. & 13. September, Berlin: Fairconomy-Tagung „Die Erde – Ein Gemeinschaftsgut aller Menschen“ im „Gartenhaus“ in der Sarrazinstr. 11 - 15, 12159 Berlin-Friedenau. Geplante Vorträge:

  • Prof. Dr. Ute Schneider, Uni Duisburg-Essen – Historisches Institut: „Das Eigentum am Boden – Zur Geschichte einer Ressource“
  • Dr. Niklas Angebauer, Uni Oldenburg – Institut für Philosophie: „Zur Bodenfrage – Eine eigentumstheoretische Perspektive“
  • Dipl.-Ing. Franziska Eichstädt-Bohlig, Architektin Stadtplanerin und Politikerin (Bündnis 90 / Die Grünen), Berlin: „Grundeigentum verpflichtet – Warum wir eine gemeinwohlorientierte Bodenpolitik brauchen“
  • Prof. Dr. Dirk Löhr, Hochschule Trier, Umwelt-Campus Trier-Birkenfeld: „Das Erbbaurecht heute: Schmuddelkind oder smarte Alternative?“

Weitere Informationen und organisatorische Hinweise zum Tagungsort und seinen Verkehrsanbindungen sowie über Mahlzeiten und Übernachtungsmöglichkeiten gibt es ab dem 10. Juni auf den Internetseiten www.stiftung-geld-boden.de und www.fairconomy.de

9. Oktober, Berlin: Geld-Symposium, wo verschiedene Geldreformer ihre Ideen zur Diskussion stellen. Letztes Jahr war hier INWO-Mitstreiter Christian Gelleri auf dem Podium.

3. Film- und Buchtipps

Gabriel Zucman: Reichensteuer – Aber richtig!

Suhrkamp 2026, 63 Seiten, ISBN 978-3-518-00138-7

Gabriel Zucman, geboren 1986 in Paris, ist Professor für Wirtschaftswissenschaften an der Paris School of Economics. International bekannt wurde er 2014 mit seiner Studie „Steueroasen - Wo der Wohlstand der Nationen versteckt wird.“ Seit 2021 leitet er die Europäische Beobachtungsstelle zur Steuerpolitik.
Der Autor stellt fest, dass die Steuer- und Abgabenlast über die Einkommensgruppen bis zu einer bestimmten Grenze einigermaßen gleichmäßig verteilt ist: zwischen 45 und 51% des Einkommens. Bei den Reichsten des Landes, den Milliardären, beträgt die Quote nur noch 25% [...]

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4.Interessantes aus Netz und Medien

Bei Makronom, selbst-charakterisiert als „Online-Magazin für Wirtschaftspolitik“ erscheint aktuell eine Reihe zum Thema Boden, mit bisher zwei kostenlos abrufbaren und sehr lesenswerten Artikeln:

  • Warum Boden als öffentliche Infrastruktur betrachtet werden kann – und sollte (11.5.) Im Artikel wird Werner Onken zitiert mit: „Die Neoklassik subsumierte den Boden unter das Kapital. Kritische Gegenstimmen wie Henry George, Pierre Joseph Proudhon oder Silvio Gesell konnten sich mit ihren Reformvorschlägen für eine nicht kapitalistisch ausgestaltete Marktwirtschaft nicht durchsetzen.“
  • Maßstäbe für eine gerechte Bodennutzung in der Stadt (18.5.) Eine starke Aussage daraus ist: „Eine zentrale Schwachstelle der gegenwärtigen Bodenordnung ist, dass private Eigentümer weitreichende Verfügungsrechte über die knappe Ressource Boden erhalten, ohne diese Rechte mit hinreichenden sozialen und ökologischen Pflichten zu verknüpfen. Besonders deutlich zeigt sich dies in der Möglichkeit, siedlungsrelevante Grundstücke aus spekulativen Gründen ungenutzt zurückhalten zu können. So ist dabei nicht etwa die „Gier“ einzelner Bodenspekulanten das eigentliche Problem, sondern ein institutionelles Gefüge, das Spekulation strukturell begünstigt.“

Wenn die Armut so wächst, hat die Politik versagt (MSN, 2.6.) kommentiert ein reichweitenstarker RND-Kommentator den Paritätischer Armutsbericht 2026. Laut diesem leben in Deutschland 13,3 Millionen Menschen in Armut. Der Kommentator hält es allerdings für nötig zu relativieren. Außerdem schreibt er: „Der Wohlfahrtsverband definiert Armut als verfügbares Einkommen unterhalb von 60 Prozent der mittleren Einkommen im Land - und ist so anfällig für statistische Effekte. Würden alle Deutschen auf einen Schlag ihr Einkommen verdoppeln und bekämen noch dazu eine Million Euro geschenkt, bliebe die Armutsquote dieselbe.“. Was die reinen Einkommen angeht, stimmt das zwar, doch mit einem geschenkten Millionen-Vermögen für jeden, könnte man die Armut tatsächlich komplett abschaffen, zumindest für die nächsten 40 Jahre: würden die Menschen ihr Vermögen in der Zeit schrittweise ausgeben, hätten sie jedes Jahr 25.000 € mehr verfügbares Geld als zuvor, etwa 2.080 € pro Monat. Damit würde das mittlere Einzelhaushalts-Einkommen von jetzt 2.408 € (laut Paritätischem) auf 4.488 € steigen. Davon 60 % sind 2.645 € - jeder, der vorher mindestens 565 € Monatseinkommen hatte (was wirklich so ziemlich jeder sein sollte), käme mit den zusätzlichen 2.080 € über diese Schwelle. Dafür bräuchten die Vermögen noch nichtmals verzinst sein, sie müssten nur ihre Kaufkraft erhalten.

Wohnkrise: Mieten in Großstädten in zehn Jahren um 43 Prozent gestiegen schreibt die Zeit am 6. April. Darin heißt es: „Trotz Mietpreisbremse müssen Wohnungssuchende in Großstädten heute im Schnitt 43 Prozent mehr zahlen als noch vor zehn Jahren. In Berlin sind es sogar 69 Prozent mehr” – ach, ach was?

Im 30-minütigen Video Wie ein bayerischer Wurstfanatiker für Milliardäre kämpft mit Moritz Neumeier aus der Reihe Fun Facts (vom 9.4.) geht es um das Verhältnis von Millionen zu Milliarden, um Deutschlands Milliardäre, um Familienunternehmen und um Wegzugs- und Erbschaftssteuer... auf unterhaltsame Art präsentiert.

In dem fast zweistündigen, sehenswert gefilmten und geschnittenen „Gespräch unter Künstlern“ Zurück zur Vernunft 2026 von und mit Lui Koray geht es unter anderem viel um Michael Ende. Mit Momo hatte Michael Ende ein Märchen zu unserem Zinsgeldsystem geschaffen. Sehr überzeugend fand ich vor allem die Kritik an der neuen Momo-Verfilmung und am schon älteren Film zum Ende-Roman „Die unendliche Geschichte“.

5. Worte... zum Schluss

„Wann muss diese explosive Dynamik aufhören, damit sie am Ende unsere demokratischen Ideale nicht endgültig untergräbt? ... Wenn sie nicht nur 80% der privaten Medien, sondern alle besitzen? … Bis sie nicht nur ganze Straßenzüge in Paris besitzen, sondern ganze Viertel oder Stadtbezirke? Niemand weiß, wann genau die Konzentration des Reichtums zu jenem Kipppunkt führt, der andere Gesellschaften vor der unseren untergehen ließ.“ 
Gabriel Zucman, Reichensteuer – Aber richtig! (2026)

Mit freundlichen Grüßen
Vlado Plaga und Tobias Schütze