Letzteres wird regelmäßig angeführt, wenn Banken beim so genannten Investmentbanking Milliarden abschreiben müssen. Im aktuellen Fall bei JP Morgan zirkulieren bisher vor allem Gerüchte: „Demnach könnten die aus den Handelsgeschäften resultierenden Verluste auf die Marke von 5 Mrd. $ zusteuern, war das Chief Investment Office (CIO) auf Spekulation und Gewinnmaximierung anstatt auf Hedging ausgerichtet und hat CEO Jamie Dimon zu spät eingegriffen und informiert. Es ist daher nicht auszuschliessen, dass bald Rufe nach dem Rücktritt von Dimon und einem Regulierungskorsett für die Banken durch die Wall Street donnern werden.“ (<link http: www.nzz.ch nachrichten wirtschaft aktuell krisenstaebe-tagen-bei-jp-morgan_1.16951460.html external-link-new-window external link in new>NZZ.ch) Für die Fachpresse ist der Fall einigermaßen klar. Einige Akteure haben Fehler gemacht. Die FAZ hebt hervor, dass es sich hierbei sogar um Wiederholungstäter handelt: „Geschichte wiederholt sich doch: Die Händler der Produkte, die nun JP Morgan in die Bredouille bringen, kamen schon die Dresdner Bank teuer zu stehen.“ (<link http: www.faz.net aktuell finanzen jp-morgan-skandal-zwei-mal-milliarden-verzockt-11755870.html external-link-new-window external link in new>FAZ.net)
Die personifizierten Schuldzuweisungen führen jedoch in die Irre. Die Großbanken machen ihre Gewinne vor allem durch Spekulationsgeschäfte. Die schiere Größe einer solchen Bank und ihrer Vernetzung im Weltfinanzsystem führen dazu, dass eine geordnete Insolvenz nicht möglich ist. Daher müssen öffentliche Kassen für die Folgen der Spekulation herhalten. Um dies zu beenden sind zwei Dinge notwendig: zum einen muss die exponentielle Vermehrung der Geldvermögen über den Zins beendet werde und zum anderen müssen Spekulationsgeschäfte auf private Vermögen beschränkt werden. Der erste Schritt ist zwingend, um das Wachstum der Spekulationsvermögen zu stoppen, der zweite Schritt ist notwendig um die Haftung für Verluste den potenziellen Gewinnern eindeutig zuzuordnen. Die Möglichkeit der Manager, sich mit dem Einsatz des Vermögens anderer zu bereichern, ohne mit dem eigenen Vermögen zu haften, ist widersinnig.
Diese Einsicht hatte schon die Roosevelt Regierung in den USA. Im März 1933 „wurde der <link http: de.wikipedia.org wiki glass-steagall_act>Glass-Steagall Act verabschiedet. Mit diesem Gesetz wurde das <link http: de.wikipedia.org wiki bankensystem>Trennbankensystem eingeführt. Danach durften Geschäftsbanken nicht mehr als Investmentbanken tätig werden und umgekehrt. Dadurch sollte sichergestellt werden, dass sich die besonderen Risiken des Investmentbanking zukünftig nicht mehr auf das Kredit- und Einlagengeschäft auswirken konnten.“ (<link http: de.wikipedia.org wiki external-link-new-window external link in new>wikipedia.org: Roosevelt, Regulierung der Finanzmärkte) Diese Regelung folgte der Einsicht, dass es bei dem Kreditgeschäft der Banken und dem Spielkasino-Betrieb des Investmentbanking um zwei völlig unabhängige Dinge handelt.
„Auch brachten die Regelungen dem amerikanischen Bankensystem eine nie da gewesene Stabilität: Während selbst in der Zeit vor der Weltwirtschaftskrise mehr als fünfhundert Banken pro Jahr zusammenbrachen, waren es nach 1933 weniger als zehn pro Jahr. Der Glass-Steagall Act wurde 1999 aufgehoben,…“ (wikipedia.org) Die Obama Regierung hat diesen Gedanken nach dem Finanzmarkt Desaster von 2008 wieder aufgegriffen. „Vorbild von Obamas Vorschlägen, Investment-Banking und kommerzielles Geschäft zu trennen, ist eines der berühmtesten Gesetze der USA, der Glass-Steagall-Act aus dem Jahr 1933“, schrieb das <link http: www.handelsblatt.com politik international obamas-vorbild-glass-steagall-act-von-1933 external-link-new-window external link in new>Handelsblatt im Januar 2010. Leider fehlt Politikern weltweit der Mut, entsprechende Vorschläge in aktuelle Gesetzestexte umzuwandeln. Wie schlimm muss es kommen, bis unsere Politiker es schaffen, Schritte gegen die dreiste Selbstbedienungsgier einzelner Banker zu ergreifen. In diesem Sinne ist der Vorfall bei JP Morgan als Alarmsignal zu begrüßen.
Klaus Willemsen, 19.05.2012
Der Autor ist freier Referent der <link http: www.inwo.de>Initiative für Natürliche Wirtschaftsordnung e.V.
Verwendete Quellen:
NZZ-online 19.05.2012:
<link http: www.nzz.ch nachrichten wirtschaft aktuell krisenstaebe-tagen-bei-jp-morgan_1.16951460.html>www.nzz.ch/nachrichten/wirtschaft/aktuell/krisenstaebe-tagen-bei-jp-morgan_1.16951460.html
FAZ.net 18.05.2012:
<link http: www.faz.net aktuell finanzen jp-morgan-skandal-zwei-mal-milliarden-verzockt-11755870.html>www.faz.net/aktuell/finanzen/jp-morgan-skandal-zwei-mal-milliarden-verzockt-11755870.html
wikipedia:<link http: de.wikipedia.org wiki>
de.wikipedia.org/wiki/Roosevelt-Depression
Handelsblatt 21.01.2010:<link http: www.handelsblatt.com politik international obamas-vorbild-glass-steagall-act-von-1933>
www.handelsblatt.com/politik/international/obamas-vorbild-glass-steagall-act-von-1933/3350574.html
