Die Hannoversche Allgemeine weist darauf hin, dass kein Geringerer als Deutsche-Bank-Chef John Cryan die Diskussion richtig ins Rollen gebracht hat. Zu Recht postuliert Müller in seinem Kommentar, dass die Bekämpfung von Terror und Geldwäsche lediglich ein Vorwand ist. Und Beermann argumentiert, dass die Bargeldabschaffung nicht damit zu rechtfertigen sei, ein Minuszins-Niveau am Markt durchzusetzen.
Die Abschaffung des Bargeldes bietet keine gesellschaftliche Perspektive. Um jedoch die richtigen Schlüsse zu ziehen, muss man das ökonomische Motiv dieser Idee benennen: Durch das anhaltend niedrige Zinsniveau ist die Differenz zwischen kurz- und langfristigen Anlagen gefährlich flach geworden. Es fehlt der Anreiz, Geld langfristig auszuleihen, und damit den Geschäftsbanken Potenzial für eine sichere Kreditvermittlung. Die EZB reagiert darauf mit Minuszinsen auf Zentralbankgeld. Um auch bei einem Geldmarktszins um null eine optimale Zinsstruktur zu gewährleisten, müsste der Zinssatz für Zentralbankgeld sogar weiter auf -5 % gesenkt werden. Dies jedoch wird durch die Möglichkeit, in Bargeld ausweichen zu können, verhindert.
Anstatt jedoch rückläufige Zinsgewinne zu beklagen oder ein größeres Wirtschaftswachstum mit steigenden Zinssätzen anzustreben – mit all den negativen Konsequenzen für die Umwelt und die Bürger – sollte man das Naheliegende bedenken: eine Gebühr auf Geld, die Hortung und Spekulation belastet, langfristige Geldanlagen jedoch verschont.
Klaus Willemsen, 1.3.2016
Verwendete Quellen:
HAZ, 1.3.2016
