Brauchen wir ein neues Geldsystem?

fragte die FAZ im August. In einem umfangreichen Artikel wurde die Frage aufgeworfen, was passieren würde, wenn auf die Bankenkrise und die Staatsschuldenkrise eine Krise des Geldes folgen würde. Ausführlich, doch mit deutlichen Zweifeln, erläutert der Autor Christian Siedenbiedel die Theorie eines Vollgeldes und beschreibt die Internetwährung Bitcoins. Am Ende des Artikels verweist er auf das erfolgreiche Experiment von Wörgl.

„<link http: www.faz.net aktuell finanzen nach-der-finanzkrise-brauchen-wir-ein-neues-geldsystem-12536461.html external-link-new-window external link in new>Es ist viel zu viel Geld im Umlauf. Weil die Banken es aus dem Nichts schöpfen. Und die Staaten nicht genug davon kriegen können.“ (FAZ) Durch die Verknüpfung dieser drei Ausgangsthesen macht es sich der Autor unnötig schwer, die Problematik unseres Geldwesens präzise zu erfassen. Die Krise des Geldes besteht im Kern darin, dass es den Notenbanken nicht möglich ist, den Wert ihrer Währung dauerhaft und verlässlich zu gewährleisten. Ein für alle deutlich sichtbares Indiz hierfür ist die Tatsache, dass viel zu viel Geld nachgefragt wird und im Umlauf ist.

Viele Staaten brauchen ständig neue Kredite. Da ihnen die Geldmärkte misstrauen, greifen sie in Einzelfällen auf die Notenbanken zurück. Die Ursache für dieses Misstrauen der Geldmärkte ist die offensichtliche Überschuldung dieser Staaten. Der entscheidende Punkt für die Überschuldung ist die Höhe der Zinslasten. Die Gier der Staaten nach neuen und zusätzlichen Krediten steigt mit der Höhe der Zinsverpflichtungen. Wenn die Steuereinnahmen deutlich über den Ausgaben für das Gemeinwesen, und damit über dem Nutzen für die Steuerzahler liegen, haben Politiker ein Legitimationsproblem. Dieses verschieben sie durch die Aufnahme neuer Schulden in die Zukunft. Dieses Phänomen ist nur durch den Verzicht auf staatliche Schulden oder durch deutlich geringere Zinssätze für diese Schulden zu lösen. Letzteres kann durch die Arbeit der Notenbank unterstützt werden.

Schöpfen Banken Geld aus dem Nichts?
Die Probleme Griechenlands, Irlands und anderer Staaten wurden offensichtlich, als die Banken nicht mehr bereit waren, zusätzliche Kredite zur Finanzierung der öffentlichen Zinslasten zu gewähren. Die Geschäftsbanken erzeugen Kredite eben nicht aus dem Nichts. Hinter gewährten Krediten stehen in jedem Fall Einlagen ihrer Kunden. Aus der Differenz zwischen Einlagenzins und Kreditzins, und aus ihrem Eigenkapital schaffen sie Spielräume für Spekulationsgeschäfte. Doch diese Spielräume sind eng begrenzt. Wenn zu viele riskante Kredite platzen, geraten Banken in Schieflage und sie können pleite gehen. Die gesellschaftlichen Folgen der Pleite einer Großbank können enorm sein. Sie betreffen jedoch nicht die Stabilität einer Währung.

Das Volumen der Kreditgeschäfte, national wie weltweit, übersteigt in einem bedrohlichen Ausmaß die Leistungsfähigkeit der entsprechenden Volkswirtschaften. Die entscheidende Ursache für dieses Überwachstum der Kreditgeschäfte ist das entsprechende Überwachstum der Geldvermögen. Der Motor der Schuldenentwicklung ist nicht die alchimistische Zauberei neuen Geldes durch die Geschäftsbanken, sondern das Anwachsen der Einlagen durch permanente Zinsgutschriften.

Zwei Aspekte für die Währungsstabilität sind hervorzuheben:
Das Überwachstum der Geldvermögen kann durch Guthabenzinssätze um null vermieden werden. Die überproportionale Nachfrage nach Zentralbankgeld kann durch eine Gebühr auf das herausgegebene Zentralbankgeld begrenzt werden. Damit wäre eine inflationsfreie und dauerhaft stabile Währung möglich. Der Hinweis auf das Freigeldexperiment von Wörgl ist in diesem Zusammenhang sehr wohl angebracht.
 

Die Eingangsfrage: „Brauchen wir ein neues Geldsystem?“ ist damit genau genommen zu verneinen. Was es braucht, ist ein zusätzliches Steuerungselement in der Hand der Notenbanker. Eine Gebühr auf das Zentralbankgeld, die es ermöglicht, die ihr gestellten Aufgaben zu erfüllen. Die Auswirkungen einer solchen Reform, mit einer Währung, die auch bei null Wachstum und null Zins funktioniert, kommen den Vorstellungen eines "neuen Geldsystems" sicherlich nahe.

Klaus Willemsen, 11.09.2013

Verwendete Quelle:
<link http: www.faz.net aktuell finanzen nach-der-finanzkrise-brauchen-wir-ein-neues-geldsystem-12536461.html>www.faz.net/aktuell/finanzen/nach-der-finanzkrise-brauchen-wir-ein-neues-geldsystem-12536461.html