„Lehman Brothers war Auslöser, nicht aber Ursache der Krise. Die Pleite konnte nur so dramatische Folgen haben, weil mit der Weltwirtschaft etwas grundsätzlich nicht in Ordnung war. Und noch immer nicht ist.“ (<link http: www.zeit.de finanzkrise-banken-ueberschuldung external link in new>Die ZEIT) Im Unterschied zu den meisten seiner Kollegen betont der Autor, Mark Schieritz, die grundsätzliche Fehlentwicklung im Weltfinanzsystem. Dabei hebt er die weltweit überproportionale Zunahme der Schulden hervor. „Zwischen 1980 und 2008 verdoppelte sich in den USA der Anteil der Verschuldung der privaten Haushalte an der jährlichen Wirtschaftsleistung. In Spanien verdreifachte er sich sogar. In den Jahren vor der Krise ist in den Industriestaaten ein riesiger Schuldenberg herangewachsen.“ Deutlich weist er den gern kolportierten Eindruck zurück, dass die Überschuldung der Staaten, und damit die Gier der Politiker und Bürger, Schuld an der Krise seien. „Private, nicht staatliche Schulden haben die Wirtschaft beinahe ruiniert“
Für Mark Schieritz sind die „Schuldenexzesse der Kern der Krise.“ Folgerichtig ist für ihn der Abbau der Schulden der Schlüssel zur Stabilisierung der Weltökonomie. Er wirft daher die Frage auf, ob es im globalen Maßstab zu einem Abbau von Verschuldung und Überschuldung gekommen ist. Zitat: „McKinsey hat unlängst untersucht, wie weit die Welt beim Abbau der Schulden vorangekommen ist. Ergebnis: noch nicht sehr weit. Häufig wurden die Schulden nur wie eine heiße Kartoffel weitergereicht.“
In einem entscheidenden Detail bleibt Herr Schieritz leider ganz im Mainstream verhaftet. Mit keinem Wort hinterfragt er den Zusammenhang von Schuldenentwicklung und Guthabenentwicklung. Bei seiner Forderung, Schuldenexzesse zu verhindern, fällt er in eine allgemein gängige Schuldzuweisung an die Banker zurück. Die grundsätzliche Betrachtungsweise, die er zu Beginn seines Beitrages anmahnt, hält er nicht durch. Daher fehlt in seinem lesenswerten Beitrag die entscheidende Konsequenz: eine globale Reduzierung der Verschuldung ist nur Hand in Hand mit einem entsprechenden Abbau der Geldvermögen denkbar. Oder, realistisch formuliert, ein weiteres Anwachsen der Schuldenberge ist nur vermeidbar, wenn man verhindern kann, dass die Geldvermögen weiterhin exponentiell anwachsen.
Die Schlüsselfrage heute lautet deshalb nicht, „was mit den Schulden geschehen soll, die nie zurückgezahlt werden können.“ Die Schlüsselfrage lautet: wie schaffen wir es, dass unser Geldsystem bei Guthaben-Zinssätzen um null dauerhaft verlässlich funktioniert. Nur so werden „neue Schuldenexzesse“ und Spekulationsblasen überhaupt vermeidbar. Nicht die Banken oder ihr Personal sind „grundsätzlich nicht in Ordnung“. Der grundsätzliche Fehler ist die permanente Vermehrung der Geldvermögen durch den Zins.
Klaus Willemsen, 13.9.2013
Verwendete Quelle:
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