DLF: Bankenprimus für freie Märkte und Insolvenzrecht für Staaten

In einem Interview mit dem Deutschlandfunk äußert sich der Chefvolkswirts der Deutschen Bank, Thomas Mayer, zu Griechenlands Finanzsituation. Vorgeschlagene Regulierungen vergleicht er dabei mit einer nur kaum wirksamen Staumauer in einem Fluss.

Griechenland hat bei deutschen Banken laut Mayer ausstehende Kredite von etwas unter 40 Milliarden Euro. Entsprechend groß sind für ihn die Gefahren, die von einer drohenden Staatspleite ausgehen:

"Die Anleger vergleichen ja Portugal, Spanien, ja Italien mit Griechenland. Und wenn wir das alles aufsummieren, was da an Außenstände vorhanden sind, dann kommen wir auf über 520 Milliarden Euro. Und wenn da sich abzeichnen würde, dass Abschreibungsbedarf besteht, dann hätten wir ein echtes Problem."

Deshalb hat Mayer zusammen mit seinem Kollegen Daniel Gros vom Brüsseler Centre for European Policy Studies einen Europäischen Währungsfonds vorgeschlagen:

"Die Augen davor zu schließen, halte ich für gefährlich, denn wenn man letztendlich einen unkontrollierten Staatsbankrott hat, dann wird es noch sehr, sehr viel teurer, als wenn man ein Instrument schafft, um so was geordneter abzuwickeln. Ich meine, das ist ja genauso wie in der privaten Wirtschaft. Wir haben ja auch ein Insolvenzrecht, einen Insolvenzverwalter und lassen die Dinge nicht einfach sausen."

Obwohl klar ist, dass internationale Hedgefonds milliardenschwere Wetten auf eine Insolvenz Griechenlands abgeschlossen haben, ist der Chefökonom der Deutschen Bank gegen Regulierungen:

"Sie können natürlich in bestimmten Bereichen Aktivitäten in den Finanzmärkten verbieten. Das ist ungefähr so, wie wenn Sie eine Staumauer in einem Fluss bauen. Dann lenken Sie das Wasser ab und dann drückt es gegen andere Bereiche und führt dann womöglich dort zum Dammbruch."

Dann sei das Wasser nicht mehr zu kontrollieren - und ebenso offenbar auch die Finanzmärkte, denn Mayer sieht keine Alternative zu "freien Märkten". Die "ökonomischen Erträge" seien dort eben viel höher im Vergleich zu von "Staatskommissaren" regulierten Märkten.

Leider existiert beim Geld gar kein freier Markt (beispielsweise in Form eines Wettbewerbes verschiedener Währungen) und neben den zunehmend ungleich verteilten ökonomischen Erträgen hat das aktuelle Finanzsystem zahlreiche weitere unangenehme Nebenwirkungen. Wie dagegen ein nachhaltiger Fluss aussehen könnte, beschreibt das Konzept fließenden Geldes, für das die INWO wirbt.