Ein internationaler Plan B von links

Die Frankfurter Rundschau hat die Initiative führender linker Ökonomen für ein gerechteres Geldsystem aufgegriffen. Der Gastbeitrag von Klaus Willemsen analysiert die Stärken und Schwächen dieses Vorstoßes und verweist auf historische Bezüge linker Geldkritik.

Die prominenten Unterzeichner des Aufrufs haben die Funktionsweise und die zerstörerische Kraft unseres Geldsystems an maßgeblicher Stelle erfahren. Daraus ziehen sie Schlussfolgerungen, die man von marxistischen Theoretikern nicht zu hören bekommt. In dem Aufruf heißt es beispielsweise unmissverständlich: <link http: www.jean-luc-melenchon.fr ein-plan-b-in-europa>»Wir werden einen Weg finden, um sicherzustellen, dass die Europäerinnen und Europäer ein Geldsystem haben, das für sie arbeitet, nicht gegen sie.« Die Autoren machen deutlich, dass es die Konstruktion unserer Währung selber ist, die maßgeblich für die Ausbeutung verantwortlich ist.

Den Unterzeichnern geht es darum, <link http: www.jean-luc-melenchon.fr ein-plan-b-in-europa>»dem einfachen Prinzip neue Geltung zu verschaffen, dass Europa den Interessen der Europäerinnen und Europäern dienen muss und dass Währungen Werkzeuge sind, um den gemeinsamen Wohlstand zu mehren, nicht Folterinstrumente oder Waffen zur Abschaffung der Demokratie«.

Lafontaine, Varoufakis & Co wissen, dass es die Zinslasten sind, die Staatshaushalte in den Ruin treiben. Sie wissen, dass die Höhe der Zinssätze entscheidend ist für die Entwicklung öffentlicher Finanzen. Trotzdem vermeiden sie in ihrem Aufruf Vokabeln wie Zinslasten, Zinssätze und Zinskonditionen. Dass sie das Geldsystem und die Währung explizit als Problemursache benennen, ist mit Rücksicht auf ihr marxistisches Umfeld dennoch ein großer Schritt nach vorne. Der Gastbeitrag <link http: www.fr-online.de gastbeitraege>»Der Euro zerstört Wohlstand« von Klaus Willemsen in der Frankfurter Rundschau verweist auf historische und aktuelle Bezüge: Die Initiatoren knüpfen an die Tradition des sozialistischen Ministerpräsidenten Édouard Daladier an und greifen maßgebliche Erkenntnisse von Silvio Gesell und John Maynard Keynes auf. Mit Marvin Goodfriend, Willem Buiter und Gregory Mankiw stehen ihnen heute undogmatische Top-Ökonomen zur Seite. Man kann wohl davon ausgehen, dass Persönlichkeiten wie Jean-Luc Mélenchon, Mitglied des Europäischen Parlaments, Mitbegründer der Parti de Gauche, Stefano Fassina, ehemaliger Vize Finanz- und Wirtschaftsminister, Zoe Konstantopoulou, Präsidentin des griechischen Parlaments und die ehemaligen Finanzminister Oskar Lafontaine und Yanis Varoufakis ausreichend Erfahrung und Selbstbewusstsein in die linke Debatte einbringen, um linke Dogmen zu überwinden und das marxistische Tabu Zinskritik zu beenden. Die Vision einer Währung, die nicht der Ausbeutung von Mensch und Natur dient, ist ein entscheidender Baustein für eine für alle Menschen lebenswertere Welt.

Klaus Willemsen, 17.11.2015

Verwendete Quellen:

<link http: www.fr-online.de gastbeitraege>www.fr-online.de/gastbeitraege/geldpolitik--der-euro-zerstoert-wohlstand-,29976308,32197046.html

<link http: www.jean-luc-melenchon.fr ein-plan-b-in-europa>www.jean-luc-melenchon.fr/2015/09/14/ein-plan-b-in-europa/