Eine wunderbare Geldvermehrung

Guido Bohsem berichtet auf süddeutsche.de über eine neue Regelung zur Mehrwertsteuer-Abgeltung. Dank dieser Steuerpraxis können Bauträger auf ihre Mehrwertsteuer-Vorauszahlungen sechs Prozent Zinsen vom Staat erhalten.

Bemerkenswert an diesem Beitrag ist die Kritik an dem Zinssatz aus drei vollkommen unterschiedlichen Richtungen. Der Autor selber ist über den Zinssatz offensichtlich empört und formuliert: „<link http: www.sueddeutsche.de wirtschaft zinsmodell-fuer-bautraeger-wunderbare-geldvermehrung-1.2045683>nun kassieren Bauträger bis zu sechs Prozent Zinsen vom Staat, ganz legal“. Da milliardenschwere Zinszahlungen aus Steuergeldern für die Wirtschaftsredaktion der Süddeutschen Zeitung (SZ) jahrzehntelang scheinbar unvermeidlich schienen, kann man die Formulierung „eine wunderbare Geldvermehrung“, die sich aus dem Zins ergibt, als vorsichtige Kritik betrachten.

Erwähnt wird im Beitrag auch die Position von seiten der Linken, deren Finanzexperte Richard Pitterle durch seine Anfrage die neue Praxis öffentlich gemacht hat. Pitterle sei empört: <link http: www.sueddeutsche.de wirtschaft zinsmodell-fuer-bautraeger-wunderbare-geldvermehrung-1.2045683>„Die Verzinsung der Mehrwertsteuer ist legal, aber nicht legitim“, zitiert ihn die SZ. Leider hängt sich dessen „Empörung“ an einem unterstellten „Zinstrick“ auf, der sich aus der Diskrepanz zwischen dem üblichen Zinssatz für Tagesgeld und der hier verwendeten Verzinsung ergibt, die sich eher an der Kapitalrendite orientiert. Das Zinssystem grundsätzlich als „Trick“ zur Umverteilung zu Gunsten der Geldbesitzer zu erkennen, ist für traditionelle Linke leider tabu.

Von keinerlei Denkblokaden ist dieser Erkenntnisprozess in der Immobilienbranche behindert. Hier hat man schnell erkannt, dass es mit der Verzinsung der Mehrwertsteuerzahlungen „Renditen zu erzielen gibt, die man nur schwer an anderer Stelle erwirtschaften kann“. <link http: www.sueddeutsche.de wirtschaft zinsmodell-fuer-bautraeger-wunderbare-geldvermehrung-1.2045683>„So ist in der Immobilien-Zeitung in diesem Zusammenhang von einem Lottoschein die Rede, auf dem die sechs richtigen Zahlen bereits angekreuzt seien. Man müsse den Zettel nur noch abgeben.“

Immobilienbesitzer leben wie Kapitalbesitzer vom leistungsunabhängigen Renditeertrag. Sie haben daher einen von moralischen Kategorien unbelasteten Blick auf "Renditeschnäppchen".

Klaus Willemsen, 15.7.2014

Verwendete Quelle:
<link http: www.sueddeutsche.de wirtschaft zinsmodell-fuer-bautraeger-wunderbare-geldvermehrung-1.2045683>www.sueddeutsche.de/wirtschaft/zinsmodell-fuer-bautraeger-wunderbare-geldvermehrung-1.2045683, 15. Juli 2014