Fed-Vize befasst sich mit Gesell

Kaum hat die amerikanische Fed ihre Leitzinsen angehoben, spricht ihr Fize Stanley Fischer schon wieder über Maßnahmen, wie man mit dem Zero Lower Bound - der Zinsuntergrenze, die durch das Bargeld gesetzt wird - umgehen kann. Auch die Fed kommt an Silvio Gesell nicht mehr vorbei.

Bei der Jahrestagung der American Economic Association sprach Stan Fischer am 3. Januar über "Monetary Policy, Financial Stability, and the Zero Lower Bound". Fischer, früher am MIT Dozent einiger heute führender Monetärökonomen und von 2005 bis 2013 Gouverneur der israelischen Zentralbank, bestätigt, dass der kurzfristige reale Gleichgewichtszins bereits nahe null liegt und sieht ihn auch langfristig auf einem niedrigen Niveau.

Dieser Zins wird vor allem durch das Verhältnis von Sparen und Investitionen bestimmt, welches sich verändert hat. Ben Bernanke hatte schon 2005 die Hypothese des global savings glut, der weltweiten Ersparnisschwemme, in die Diskussion gebracht. Die Häufigkeit und Dauer von Zeiten, in denen man mit dem ZLB konfrontiert wird, würde entgegen früherer Annahmen zunehmen, drückt Fischer es noch etwas unbeholfen aus.

"Welche Schritte können unternommen werden, um die mit dem Zero Lower Bound verbundenen Beschränkungen zu lockern?", fragt Fischer und kommt dabei neben einer Anhebung des Inflationsziels, die er jedoch für bedenklich hält, auch auf negative Nominalzinsen zu sprechen:

<link http: www.bloomberg.com news articles fischer-worries-fed-can-t-head-off-or-contain-financial-crises>"Ein anderer möglicher Schritt wäre es, wenn erforderlich die kurzfristigen Zinsen unter null zu senken, um eine weitere Akkommodierung zu gewährleisten. Unsere Kollegen in Europa sind im Moment dabei, auf diesem Gebiet die ökonomischen Lehrbücher neu zu schreiben - und helfen uns, frühere Diskussionen über Negativzinsen von Keynes, Irving Fisher, Hicks und den bedeutenden Gesell ins Gedächtnis zu bringen, dessen Arbeit sogar in der General Theory als richtig beurteilt wurde."

Er beschreibt die Ergebnisse als durchweg positiv: Die negativen Zinsen hätten die kurzfristigen Geldmarktzinsen gesenkt und sich offenbar bereits auf Assets mit längerer Laufzeit und höheren Risiken übertragen. Anleiherenditen und Kreditzinsen seien gesunken und im Euroraum habe das Volumen der Kredite an Unternehmen und Haushalte beachtlich zugenommen. Auch durch den Wechselkurskanal seien die Negativzinsen wirkungsvoll.

<link http: www.federalreserve.gov newsevents speech>"Die Negativzinsen waren überhaupt nicht mit den Problemen verknüpft, die wahrscheinlich erwartet wurden. Nachteilige Effekte auf das Funktionieren des Geldmarkts hielten sich in Grenzen", so sein Resümee.

Trotzdem aber schließt er solche negativen Effekte für den amerikanischen Geldmarkt nicht aus, sollte die Fed den gleichen Weg einschlagen wie die EZB. Der Abschaffung von Bargeld erteilt Fischer eine Absage, obwohl auch er eingestehen muss, dass die "umlaufende" Bargeldmenge in den letzten Jahrzehnten im Verhältnis zum BIP unverhältnismäßig angestiegen ist. Über die Abschaffung zumindest der großen Scheine und über bekannte Techniken zur Einbeziehung des Bargelds in die Negativverzinsung sagt er nichts.

Man kann die Rede so deuten, dass Fischer - ähnlich wie <link https: www.ecb.europa.eu press key date html sp140909.en.html>Coeuré in seiner Rede vor der Finanzmarkt-Kontaktgruppe - die Märkte langsam auf den Paradigmenwechsel hin zu negativen Zinsen einstimmen will.

Es muss aber wohl noch härter kommen, bevor sich Ökonomen wie Stanley Fischer zu einem klaren Ja zu Gesellschen Maßnahmen durchringen können. Immerhin kommen sie an ihm heute nicht mehr vorbei.