Gedenken an Alexander Rüstow

Gabor Steingart, Herausgeber, berichtet im Handelsblatt-Morning-Briefing am 1.Juli 2013: "Gestern jährte sich zum 50. Mal der Todestag von Alexander Rüstow, einem der Begründer der Sozialen Marktwirtschaft. Ohne Rüstows Gedankenwelt wäre der Aufstieg Ludwig Erhards wohl kaum denkbar gewesen. Rüstow stellte die Freiheit des Einzelnen vor die Freiheit des Marktes. Er plädierte für einen starken Staat, der vor allem durch seine Bildungspolitik eine "Startgleichheit" herzustellen habe. Rüstow nannte das "Vitalpolitik". Vielleicht findet sich ja in den Reihen der heutigen Parteien doch noch ein verspäteter Erbe."

Auf dem Bundestag des Freiwirtschaftsbundes am 9. und 10. November 1951 in Heidelberg hat Alexander Rüstow einen Vortrag gehalten über das Thema "Wirtschaftsordnung und Staatsform". Nachzulesen ist das in "Magna Charta der sozialen Marktwirtschaft“ - Wortlaut der Vorträge der Tagung, Seite 19 bis 33. Das Schlußwort von Rüstow lautete damals: "Meine Damen und Herren! Wir, die wir für Soziale Marktwirtschaft eintreten, tun das also nicht nur, weil sie nachweislich die bei weitem ergiebigste Wirtschaftsordnung ist, die Wirtschaftsordnung, die an Produktivität allen anderen weit überlegen ist, sondern weil es die einzige  Wirtschaftsordnung ist, die mit politischer Freiheit, mit menschlicher Würde vereinbar ist, die einzige, auf die sich auf Dauer eine demokratische Staatsform stützen kann. Und das war das Thema meines Vortrages."

Bei den alten Freiwirten, die ich in den 60er und 70er Jahren als aktive kennengelernt habe, standen Rüstow, Wilhelm Röpke (Die Lehre von der Wirtschaft) und Walter Eucken hoch im Kurs. Otto Lautenbach, der die treibende Kraft der Tagung war, hielt dort einen Vortrag über die "Magna Charta der sozialen Marktwirtschaft". Er wurde auch in der von Ludwig Erhard ("Wohlstand für alle") herausgegebenen und mit gegründeten Zeitschrift "Währung und Wirtschaft - Unabhängiges Forum für Wirtschafts-Wissenschaft, -Praxis, -Politik / Herausgeber: LUDWIG ERHARD / ERWIN HIELSCHER / MAX SCHÖNWANDT unter Mitwirkung von WILHELM KROMPHARDT / OTTO LAUTENBACH / 1. Heft 1949" genannt.

Siehe dazu: "Ludwig Erhard und andere - Zur Bedeutung der Währung, war Ludwig Erhard ein Freiwirt?" <link http: www.tristan-abromeit.de pdf external-link-new-window external link in new>www.tristan-abromeit.de/pdf/76.3%20Erhard%20Waehrung.pdf

Aus meiner Sicht war es für unsere Republik (und darüber hinaus) tragisch, dass die begonnene Kooperation von Ordoliberalen und Freiwirten durch den Tod von Aktivisten auf beiden Seiten und durch Intrigen beendigt wurde. Ernst Winkler, damals ein junger Akteur in dem Umfeld, hat über diese Zeit in seinem Beitrag "Freiheit Oder? / Notizen über die Geschichte der Freiwirtschaftsbewegung und ihren Beitrag zur 'Sozialen Marktwirtschaft'" berichtet. Siehe: "Fragen der Freiheit", Heft 273/4 <link https: www.inwo.de www.sffo.de external-link-new-window external link in new>www.sffo.de.

Ein weiteres halbes Jahrhundert an ökonomischer und gesellschaftlicher Fehlentwicklung hätten wir Deutsche uns sparen können, wenn wir vor und nach den Nazis nicht ideologisch so vernagelt gewesen wären.

Verantwortlich sind dafür auch die Redaktionen und Herausgeber der großen Zeitungen und Zeitschriften. Die Redaktion der Wirtschaftswoche hätte allen Grund sich mit dieser Geschichte zu befassen, wenn sie die Kompetenz für Wirtschaft, die ihr zugemessen wird und die sie sich selber zu misst, rechtfertigen will.

Tristan Abromeit, 01.07.2013

Kopie an die Redaktion vom Handelsblatt
und P.T. Magazin für Wirtschaft und Gesellschaft

Verwendete Quellen:
<link http: www.tristan-abromeit.de pdf>www.tristan-abromeit.de/pdf/76.3%20Erhard%20Waehrung.pdf

<link www.sffo.de>www.sffo.de