Grund zum verzweifeln…

hätte Europas Jugend im Zeitalter der Schuldenkrise, schreibt GEO über die Jugend, „die alles anders machen muss“. Der Artikel beschreibt anschaulich die hoffnungslose Lage einer Generation und ihren Protest gegen jene, die sie da reingeritten haben. Die Ursachen und Zusammenhänge der Krise bleiben, wie von der GEO-Redaktion nicht anders zu erwarten, nebulös.

Die Spanische Jugend sei eine betrogene Generation, „die in ihrem Land nichts zu erwarten hat als Schuldknechtschaft“, formulieren die Autoren. Millionen Schüler sind ohne Perspektive auf eine geregelte berufliche Laufbahn. Das Motto ihres Protestes: „WIR bezahlen EURE Schulden nicht“, lautet das Motto ihres Protestes. Und doch werden sie genau dies tun, weil den etablierten Kräften wieder gelingt, die tiefergehenden Ursachen der Krise zu verschleiern.

Der Wunsch vieler Arbeiter, durch eigene Immobilien in den Mittelstand aufzusteigen, wird als eine Ursache zitiert. Das billige Geld in den 1990ern sei Opium fürs Volk gewesen. Die Wortwahl weist auf die marxistische Grundausbildung der GEO-Chefredaktion hin. Und leider entlarvt sie auch die Phantasielosigkeit, die die Artikel verfolgen: Weil man die Mechanismen des Kapitals nicht in Frage stellen darf, verlagert man die Lösungssuche auf den unterstellten „Niedergang der Demokratie“.

Dabei ist der Autor des Beitrags über die Spanische Jugend, mit der höchst unschönen Vokabel von der „Schuldknechtschaft“, auf dem richtigen Weg. In Spanien, wie in vergleichbaren Ländern, wurde Wohlstand nicht vernichtet. Die Vermögen wurden elegant umverteilt. Und nicht das billige Geld für Baukredite war der Krisenauslöser, sondern das Platzen einer Immobilienblase und das Ansteigen der Zinssätze. Nicht das billige Geld betäubt die Ökonomie. Die steigende Zinslast, das zu teure Geld, enteignet die Bürger und den Staat.

Wäre die Chefredaktion nicht so ideologisch verbohrt, hätte der Autor sicherlich einiges über die anarchistischen Wurzeln der antikapitalistischen Bewegung zu berichten gewusst. Man hätte über genossenschaftliche Traditionen, über kommunales Landrecht und über die ausbeuterische Funktion der Zinsen aufklären können. Die spanische Kritik am Kapitalismus hat bedeutende Wurzeln, die bis heute von marxistischen Ideologen diskreditiert werden. Zum Verzweifeln ist nicht nur die Lage der Menschen sondern auch die Borniertheit der Ideologen. Lasst uns beim Geld und Boden endlich etwas anders machen!

Klaus Willemsen, 11.05.2013

Verwendete Quelle:
GEO 02, Februar 2013, S.26ff