Investoren schenken Deutschland Geld

behauptet die FTD. "Das hat es bislang noch nie gegeben. […] statt Zinsen zu kassieren, zahlen die Investoren bei einer negativen Rendite eine Prämie dafür, dass sie dem Staat Geld leihen“, schreibt die Zeitung. Mit dem Negativzins auf Staatsanleihen ist etwas real geworden, das bisher von vielen für unmöglich gehalten wurde.

Tatsächlich ist es eine seltene Konstellation, dass Anleger bereit sind, einen (wenn auch sehr geringen) Verlust in Kauf zu nehmen, um einen sicheren Schuldner zu bekommen. Beinahe sensationell ist dieser Umstand, weil er zwei Dinge beweist:
 a) Für viele Anlagen ist die Sicherheit wichtiger als eine positive Rendite. 
 b) Negativzinsen sind auch ohne Berücksichtigung der Inflation möglich.
Allein diese positive Botschaft macht den <link http: www.ftd.de finanzen maerkte anleihen-devisen :negativzinsen-investoren-schenken-deutschland-geld external-link-new-window external link in new>FTD Beitrag vom 9.1.2012 lesenswert, auch wenn die zitierte Schlussfolgerung wenig relevant ist.

Natürlich schenken die Anleger dem Staat kein Geld. Durch das anhaltend enorme Überwachstum der Geldvermögen fehlt es weltweit an sicheren Anlagemöglichkeiten. Insbesondere institutionelle Anleger haben die Wahl zwischen unterschiedlich riskanten Investments. Es entspricht dem marktwirtschaftlichen Prinzip, das dieses Überangebot zum Absinken der Renditen führt. Ein Überangebot drückt auf den Preis und kann negative Gewinne zur Folge haben. Das gilt für alle Waren und derzeit eben auch für kurzfristige Geldanlagen. 

Gewöhnlich setzen an diesem Punkt Geldhortung und Kreditklemmen ein, so dass ein Zinssockel von 3 % erhalten bleibt. Die Überflutung der Märkte mit frischem Notenbankgeld hat diese Barrieren nun durchbrochen.

Für den Staat und damit für seine Bürger hat dieser Trend, wenn er anhält, zunächst positive Auswirkungen. Zig Milliarden Euro, die derzeit für die Zinsen aufgebracht werden, können zur Schuldentilgung eingesetzt werden. Die Staatsanleihen werden noch sicherer. Die Steuerzahler können entlastet werden. 

Zwei Dinge sind jedoch zu beachten:
a) Derzeit gibt es Negativzinsen nur für kurzfristige Anleihen bis sechs Monate. Erst wenn auch die Zinsen für langfristige Anleihen dauerhaft niedriger sind können die Steuerzahler aufatmen.
b) Die billigen Staatsanleihen werden mit billigem Notenbankgeld erkauft. Dadurch wird ein gewaltiges Inflationspotenzial aufgebaut. Der Trend zu einem Null-Zins-Niveau für sichere Anleihen muss auch dann anhalten, wenn die Notenbank ihre Schleusen wieder schließt. Die ist nur durch eine konstruktive Umlaufsicherung des Geldes zu gewährleisten.

Klaus Willemsen,  11.01.2012