"Landraub und Rent Seeking – Agenda der offiziellen Entwicklungszusammenarbeit" überschreibt Professor Dirk Löhr seinen Beitrag über einen offiziellen Aspekt der Problematik. "Während sich gut organisierte Interessengruppen in Politik und Wirtschaft die Bodenrenten und Bodenwertzuwächse untereinander aufteilen, wälzen sie die Kosten der Inwertsetzung zu einem großen Teil auf schwach organisierte Gruppen (die Steuerzahler der „Geberländer“ eingeschlossen) ab. Ökonomen bezeichnen solches Verhalten als „rent-seeking“, also das Streben nach ökonomischen Sondervorteilen. Hervorzuheben sind hier die Verzichtskosten. Angesessene Bauern ohne formell zugewiesene Landrechte haben Platz für die Mächtigen zu machen, oft werden sie vertrieben. Traditionelles Gemeinschaftseigentum („commons“) wird niedergewalzt. Die Zuweisung von Landtiteln, bei der die deutsche offizielle Entwicklungsarbeit tätig ist, wird unter diesen Umständen von den inländischen Eliten und ausländischen Konzernen missbraucht, um sich das Land unter den Nagel zu reißen."
Der Beitrag im online Magazin "neopresse" verdient eine intensive Würdigung. Die Bodenfrage muss hier in Deutschland neu aufgerollt und mit neuen Inhalten belebt werden. Das beweisen nicht zuletzt die Krisen in den USA und Spanien. Die Bereicherung der Großen durch die Beraubung der Normalbürger ist kein Phänomen, dass auf Entwicklungsländer begrenzt ist.
Klaus Willemsen, 12.06.2012
