Wenn Sie genau hinschauen, werden Sie viele Mitmenschen kennen lernen, die schon in jungen Jahren mit einem guten Salär von ihren Eltern ausgestattet werden. Sie sehen Menschen, die bereits in der Mitte ihres Lebens, durch einen großzügigen Vorgriff auf das zu erwartende Erbe, ein leistungsloses Grundeinkommen genießen. Und Sie werden Menschen kennen lernen, die sich noch nie einen sorgenvollen Gedanken um ihre ökonomische Situation gemacht haben, weil sie wissen, dass sie jederzeit auf ein solides Vermögen zurückgreifen könnten. Diese Menschen arbeiten mitunter, wie Sie derzeit, 18 Stunden am Tag um ihre selbst gesteckten Ziele zu verwirklichen. Andere gehen mit großem Ehrgeiz anspruchsvollen Hobbies nach. Sie segeln um die Welt, erklimmen auf gewagten Touren Berge oder fahren Autorennen. Wieder andere werden drogensüchtig, saufen und zocken rund um die Uhr oder schikanieren die Mieter des vom Papa geerbten Hauses. Alles ist möglich. Und alles wird gemacht. Daher ist die Ausgangsfrage ihres Experiments unglücklich gestellt.
Vielleicht könnten Sie sich in einer zweiten Phase folgender Fragestellung zuwenden: Wie würde sich das Leben ALLER Berliner verändern, wenn man die Einkünfte aus den wachsenden Bodenwerten pro Kopf an jeden Bürger zurückverteilen würde? Wie würde sich das Wohlbefinden ALLER verändern, wenn die Milliarden Euro an Bodenerträgen nicht mehr den Vermögen weniger, sondern einem sicheren Grundeinkommen für alle zugute kämen?
Vielleicht ist es nicht so medienwirksam, über eine gerechte Verteilung der Bodenerträge zu forschen. Für die Menschen in Berlin, die ihre Miete derzeit nicht mehr bezahlen können und von ihrem Einkommen nicht einmal Urlaub machen können, wäre ein solch konkreter Ansatz sicherlich eine große Hoffnung. Den Politikern fehlt eine Vision, wie man die zunehmende Diskrepanz zwischen den Habenden und dem Gros der Bevölkerung umkehren kann. Dies ist ja auch der begrüßenswerte Ansatz Ihres Experiments.
Anregungen zu der aus unserer Sicht unbedingt notwendigen Bodenreform finden Sie auf unserer Internetseite. Über Ihr Interesse würden wir uns sehr freuen.
Klaus Willemsen, 26.08.2014
Verwendete Quelle: www.sueddeutsche.de/wirtschaft/debatte-um-grundeinkommen-von-wegen-faul-1.2099325
