Nur 7,6% Wirtschaftswachstum

„China verliert als weltweiter Wachstumstreiber an Schwung. Von April bis Juni verzeichnete die Volksrepublik ein Wachstum von 7,6 Prozent - der niedrigste Wert seit drei Jahren“, melden Spiegel-online und anderer. Dies hat die Verdopplung der Wirtschaftsleistung innerhalb von 10 Jahren zur Folge. Dennoch wird diese Entwicklung als Bedrohung eingestuft, ohne zu hinterfragen, wie es dazu kommt.

Es liegt auf der Hand, dass ein Land wie China ein ordentliches Wirtschaftswachstum braucht, um die benötigte Infrastruktur aufzubauen. Und es ist sinnvoll, dass Länder wie Deutschland mit ihrer Technologie daran beteiligt sind. Kritisch hinterfragt werden muss jedoch, warum Deutschland, mit seinen weitgehend gesättigten Märkten, China als "Wachstumslokomotive“ braucht.

Viel zu unkritisch wird auch folgende Behauptung mantrahaft wiederholt: „China braucht als Schwellenland ein vergleichsweise hohes Wachstum, um ausreichend Arbeitsplätze zu sichern und seine Probleme zu bewältigen.“ Viele Wachstumsbereiche schaden den Menschen mehr, als dass sie ihnen Nutzen bringen. In vielen Sektoren stehen die Interessen des Kapitals deutlich vor den Bedürfnissen der Menschen. Die gewaltige Zunahme an Boden-, Rohstoff- und Finanzspekulationen schafft sicherlich Wachstum und Profite. Diese gehen jedoch zum Großteil zulasten der Allgemeinheit. Auch im ehemals kommunistischen China entscheidet heute die mögliche Kapitalrendite über eine Investition. Das Wohl der Menschen spielt dabei selten eine Rolle.

„Mit der spürbaren Abschwächung kann China als Wachstumslokomotive auch nur noch weniger zur Weltkonjunktur beitragen“, heißt es in dem Beitrag weiter. Dies ist eine Bedrohung für die deutsche Exportindustrie und damit für die Beschäftigten. Ein Rückgang der Exporte führt zu Steuerausfällen und damit wird unser Gemeinwesen geschwächt. Warum aber eines der reichsten Länder der Welt auf Länder wie Indien und China als „Wachstumslokomotive“ angewiesen ist, wird nicht hinterfragt. Dies kann man allerdings nicht den Autoren vorhalten.

Die Fragestellung, wie eine gesättigte Marktwirtschaft ohne Wachstum zu Vollbeschäftigung und Dauerkonjunktur gelangen kann, ist für die vorherrschenden Ökonomen ein Tabu. Anstatt grundlegende Strukturen infrage zu stellen, begnügen sich alle namhaften Wissenschaftler damit ewig gleiche Forderungen zu wiederholen: niedrigere oder höhere Steuern, niedrigere oder höhere Löhne, kürzere oder längere Arbeitszeiten, weniger oder mehr Regulierung und Ähnliches mehr. Solange es möglich und lukrativ ist, Finanzkapital den realen Märkten vorzuenthalten, sind deutsche wie chinesische Arbeiter gleichermaßen den Profitinteressen des Kapitals ausgesetzt. Die Vermehrung der Kapitalerträge zwingt sie zu ständig höheren Leistungen. Dieses „Mehr“ fließt jedoch dem Kapital zu und verhindert lediglich die Verarmung der Arbeitenden.

Klaus Willemsen,13.07.2012
Der Autor ist freier Referent der <link http: www.inwo.de>Initiative für Natürliche Wirtschaftsordnung e.V.

Verwendete Quelle:
<link http: www.spiegel.de wirtschaft soziales wirtschaft-in-china-wachstum-auf-niedrigstem-stand-seit-drei-jahren-a-844166.html external-link-new-window external link in new>SPIEGEL-Online