Raus aus der Krise

Im Deutschlandfunk-Interview erläutert der Volkswirtschaftler Heiner Flassbeck, wie man der Rezession entkommen kann. Sein wenig origineller Lösungsansatz: „höhere Löhne, um Wirtschaftswachstum anzukurbeln.“ Seine Erkenntnis: „irgendjemand muss sich verschulden. Sie müssen dafür sorgen, dass irgendjemand sich verschuldet, irgendjemand muss sich immer verschulden.“

Für Heiner Flassbeck, vormals Staatssekretär unter Oskar Lafontaine, ist der Weg aus der Wirtschaftskrise ganz klar. Wir brauchen mehr Wirtschaftswachstum, es müssen mehr Schulden aufgenommen werden und die Löhne müssen steigen. Auf die Entwicklung der Weltwirtschaft ist kein Verlass. „<link http: www.dradio.de dlf sendungen interview_dlf external-link-new-window external link in new>Da gibt es nichts auf der Welt, sie können nur aus der Krise herauskommen durch Konsum.“ Dieser Konsum muss aus dem eigenen Währungsraum kommen. Die Abhängigkeit vom Export ist der falsche Weg. „<link http: www.dradio.de dlf sendungen interview_dlf external-link-new-window external link in new>Man kann sich nicht herausexportieren aus der Krise, man muss sich herauskonsumieren aus der Krise.“

Sehr geehrter Herr Flassbeck, ein Währungsraum wie in Europa muss aus sich heraus Stabilität erlangen können. Dazu ist eine ausreichende Binnennachfrage notwendig. Darin stimmen wir ihnen uneingeschränkt zu. Die Abkopplung der Lohnentwicklung von der Produktivität verursachte Instabilität. Leider ignorieren Sie einen entscheidenden Faktor für die immer weiter zurückfallenden Arbeitseinkommen: die überproportional ansteigenden Kapitaleinkommen.

Der national wie weltweit überproportionale Anstieg der Geld- und Sachvermögen verringert den Spielraum für Lohnerhöhungen permanent. Die Vergrößerung des Schuldenvolumens würde diesen Trend noch verstärken. Mehr Schulden bedeutet mehr Zinslasten, und diese gehen immer zulasten der Arbeitseinkommen, egal ob es sich um staatliche Schulden oder Unternehmensschulden handelt. Hinzu kommt, dass für die Masse der Kapitaleinkommen kein Konsumsbedarf existiert, während das Gros der Bevölkerung durchaus Konsumsbedarf hat. Die Politik braucht kein künstliches Wachstum zu erzeugen, wenn es gelingt die Kapitalkosten zu senken und damit Spielraum für höhere Arbeitseinkommen zu schaffen.

Die entscheidende Frage ist nicht, ob wir es schaffen immer noch mehr Wirtschaftswachstum zu erzeugen. Entscheidend ist die Frage, wie es gelingen kann, Kapitalmarktzinssätze um null zu gewährleisten und gleichzeitig ausreichend Sparanreize mit einer von Inflation und Deflation freien Währung zu erlangen.

Klaus Willemsen, 17.09.2013 

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