Als Politik-Redakteur haben Sie es vermutlich leichter, ökonomische Entscheidungen sachlich, ohne die einstudierten Denkgewohnheiten, zu betrachten. In einem Punkt jedoch übernehmen Sie ein gängiges Klischee und berauben sich damit der Chance, zu einem konstruktiven und innovativen Fazit zu kommen. Sie schreiben: „<link http: www.handelsblatt.com meinung kommentare kommentar-zur-ezb-entscheidung-kein-grund-zum-jammern>Im Mandat der EZB ist als primäres Ziel Preisstabilität festgeschrieben. Die EZB definiert diese als eine Preissteigerung von nahe zwei Prozent.“ Diese sachlich völlig richtige Darstellung bedarf aus journalistischer Sicht einer Ergänzung. Eine Geldentwertung von zwei Prozent pro Jahr ist definitiv keine Preisstabilität. Sie führt zur Vernichtung von Geldvermögen und entwertet gleichermaßen die Kaufkraft der Löhne und Renten in der Zukunft. Preisstabilität haben wir nur dann, wenn eine Ersparnis des Betrages X und ein Rentenanspruch der Größe Y auch in 20 Jahren eine mit heute vergleichbare Kaufkraft hat.
Die Zielvorgabe einer zweiprozentigen Inflationsrate ist eine aus der Not geborene Konstruktion. Dies ist Ihnen durchaus bewusst und Sie schreiben folgerichtig weiter: „Eine besonders niedrige Inflation ist mindestens genauso gefährlich, wie eine besonders hohe. Denn gegen hohe Inflation gibt es bewährte Mittel, mit denen die Zentralbanken jahrzehntelange Erfahrung haben. Im Kampf gegen Deflation tappen sie hingegen weitgehend im Dunkeln. Erfahrungen gibt es bisher vor allem aus Japan – und die sind nicht sehr ermutigend.“ Im gängigen Sprachgebrauch wird zwischen dem Ziel und den Maßnahmen nicht ausreichend differenziert. Inflation ist ja definitiv nicht das Ziel der Währungspolitik. Sie scheint nur derzeit die einzige wirkungsvolle Maßnahme gegen die drohende Deflation zu sein. Genau dies ist sie aber nicht, wie Sie mit Verweis auf das Beispiel Japan zu Recht anmerken. Im Kampf gegen die Deflation hilft es nicht, die Geldmenge endlos auszuweiten und die Leitzinsen immer weiter zu senken. Die in Ihrem Beitrag genannten „drastischen Mittel, um die Inflation anzufachen“, verfehlen das Ziel. Um die Deflation wirkungsvoll zu überwinden muss die Geldhortung aufgelöst werden. Dies wird nicht durch immer neues Geld erreicht, sondern über Kosten für die Zurückhaltung von Geld aus dem Kreislauf.
Richtig ist daher Ihre Einschätzung, „Strafzinsen für Banken sind dabei nur ein kleiner Baustein von vielen.“ Ein größerer und wirkungsvoller Baustein wären Kosten auf die Girobestände bei den Geschäftsbanken und auf Bargeld. Gebühren auf die liquiden Geldbestände würden die Kreditmittel vergrößern und die Kosten für Kreditnehmer weiter senken. Und sie könnten darüber hinaus den Konsum anregen. „Kein Grund zum Jammern!“ - Sondern eine Perspektive für ein nachhaltig stabiles Geldsystem.
Klaus Willemsen, 6.6.2014
Verwendete Quelle:
<link http: www.handelsblatt.com meinung kommentare kommentar-zur-ezb-entscheidung-kein-grund-zum-jammern>www.handelsblatt.com/meinung/kommentare/kommentar-zur-ezb-entscheidung-kein-grund-zum-jammern/9999846.html
Siehe dazu auch:
<link http: www.leuphana.de fileadmin user_upload forschungseinrichtungen ifvwl workingpapers wp_160_upload.pdf>www.leuphana.de/fileadmin/user_upload/Forschungseinrichtungen/ifvwl/WorkingPapers/wp_160_Upload.pdf
<link http: www.sozialoekonomie-online.de zfso-178-179.kreiss.pdf>www.sozialoekonomie-online.de/ZfSO-178-179.KREISS.pdf
<link http: www.zfsoe-online.de zfso-147_lohr.pdf>www.zfsoe-online.de/ZfSO-147_Lohr.pdf
