Stochern im Nebel ökonomischer Theorie

„Investoren und Marktanalytiker sind sich bewusst, dass trotz vieler Euro-Gipfel die Probleme der Euro-Zone nicht gelöst sind. Manche fragen sich sogar, ob es überhaupt eine Lösung gibt“, schreibt die Neue Züricher Zeitung zum Jahresrückblick. Der Beitrag „Diskussionen um die Lösbarkeit der Euro-Krise“ ist ein erschütterndes Dokument der Ratlosigkeit der ökonomischen Zunft.

Deutlich beschreibt der Autor Andreas Uhlig in der <link www.nzz.ch/finanzen/nachrichten/diskussionen_um_die_loesbarkeit_der_euro-krise_1.14038237.html - external-link-new-window "Opens external link in new window">NZZ am 3.1.2012</link> das Dilemma: „Negative Rückkoppelungsprozesse durch umfassende Sparprogramme“ drohen den Euroraum und in Folge die gesamte Weltkonjunktur in eine anhaltende Depression zu ziehen. Und dennoch sind umfangreiche Sparprogramme, genauer gesagt, die Annäherung der Staatsausgaben an die Steuereinnahmen, praktisch alternativlos. Wird „die Existenz hoher Haushaltdefizite geduldet, steigen die Schulden auf nicht finanzierbare Höhen“, womit dieser Weg als Ausweg auszuschließen ist.

Diese Erkenntnis ist nicht neu. Seit Jahrzehnten wird diese oder jene Richtung ausprobiert, ohne irgendwo eine wirklich stabile ökonomische Grundlage zu schaffen. Wenig überraschend ist daher die Aussage: „Immer mehr Investoren sind sich bewusst, dass weder die Politiker noch die Notenbank die Probleme der Euro-Zone gemeistert haben.“ 

Erschütternd und entlarvend für die ökonomische Zunft ist jedoch die vom Autor formulierte Befürchtung, „dass einige der Investoren und Analytiker den Verdacht hegen, es könnte gar keine Lösung geben.“

Beinahe alle Ökonomen leisten sich weiterhin einen blinden Fleck in ihren Denkmodellen. Händler und Investoren tragen selbstverständlich das Risiko, dass die zu erzielenden Preise nicht kostendeckend sind. Die ökonomische Theorie dagegen versperrt sich bis heute der Einsicht, dass auch Geldhalter und Geldanleger diesem marktwirtschaftlichen Prinzip ausgesetzt sein müssen. Und zwar auch dann, wenn keine Inflation herrscht. Nur so kann ein ausgeglichener Wettbewerb zwischen Arbeiter, Unternehmer und Kapital entstehen. Die ökonomische Antwort auf das Überwachstum der Geldvermögen ist die Gebühr auf Liquidität. Dieses bis heute wirksame Tabu gilt es zu überwinden. Dieser Mechanismus ist in die ökonomischen Modelle einzufügen. Den Notenbanken sind entsprechende Verfahrensweisen zu ermöglichen.

Klaus Willemsen, 03.01.2012