Der GLS Bank-Chef wirft den verantwortlichen Politikern vor, wegen der Finanzkrise zwar ein Umdenken gefordert, aber nichts dafür getan zu haben:
"Das grundsätzliche Problem ist die Abwendung von der Realwirtschaft hin zu einer abstrakten Geldanlage, bei der es nachrangig ist, was produziert wird. (...) Die Politik hat nichts aus der Finanzkrise gelernt. Sie muss bestimmte Finanzprodukte verbieten. Die abstrakten Geschäfte bedeuten das größte Risiko und den größten Gewinn. Im Moment überlegt man nur, wie man Risiken abmildern kann. In einer wirklichen Krise ist das zu wenig."
Obwohl Geld und Wirtschaft die Gesellschaft in weiten Teilen dominieren würden, käme beides in der Schule und im Studium so gut wie nicht vor. Das Motto laute "Geld ist zum Geldverdienen da. Die Aufgabe des Wirtschaftens ist es, Gewinne zu machen." Dabei ist Gewinnmaximierung für Jorberg "betriebswirtschaftlicher Unsinn" auf Kosten der Kunden. Die Wirtschaft sei dazu da, die Bedürfnisse der Menschen zu befriedigen - und Dienen komme schließlich vor Verdienen.
Jorberg betont im Gespräch mit taz-Chefreporter Peter Unfried die Machbarkeit einer besseren Welt. Es gebe - dem Markt sei Dank - inzwischen einen Angebotsüberhang und keine Knappheit mehr. Allerdings werde dieser Überhang mit dem "Organisationsmittel" Geld nicht an alle verteilt:
"Nicolas Stern, der ehemalige Chef der Weltbank, geht davon aus, dass wir zwei Prozent des Bruttosozialprodukts der Welt brauchen, das sind 400 bis 800 Milliarden jährlich. Das wäre vor kurzem noch eine unvorstellbare Zahl gewesen. Heute würde man sagen: Wo ist das Problem? Nein, wir haben kein Geldproblem."
Der Chef der Genossenschaftsbank weist im taz-Interview mehrfach darauf hin, dass der beschränkte Blick auf die Höhe des Zinses problematisch ist. Es sei schizophren, sich nur für hohe Zinsen zu interessieren, sich dann aber eine intakte Natur zu wünschen. Jorberg nennt es "eine Bewusstseinsmauer zwischen unserem Bedürfnis gezogen nach dem höchsten Zins und dem anderen Bedürfnis, eine sozialere und umweltbewusstere Gesellschaft zu haben".
Geld ist für Jorberg dennoch eine geniale Erfindung. Das Problem sei jedoch, dass im Geld das Potenzial zur Freiheit stecke - wir nutzen es statt dessen zur Versklavung, so der GLS-Chef.
Die taz nennt im Anschluss an das Interview weitere Banken mit nachhaltigen Konzepten. Bei der INWO erfahren Sie, wie ein nachhaltiges Geld aussehen könnte.
