Die Degrowth-Konferenz „stellt nicht nur das Bruttoinlandsprodukt als zentralen Politikmaßstab in Frage, sondern sucht Wege zum radikalen Wandel unseres Wirtschaftssystems“, schreibt Frau Leidig. Im Unterschied zu vielen ihrer Weggefährten, deren Analysen durch marxistische Scheuklappen und entsprechendes Unverständnis geprägt sind, scheut sie sich nicht, die dominante Rolle des Geldes zu benennen. Die Bedeutung des Geldes wirft eine für die Degrowth-Bewegung entscheidende Frage auf: Unterwerfen Politiker ihre Entscheidungen dem Primat Wachstum zu generieren, damit das Kapital wachsen kann? Oder ist es umgekehrt? Müssen politische Rahmenbedingungen, allen Regeln der Vernunft zum Trotz, immer neue Spielräume für wirtschaftliches Wachstum schaffen, weil die Geldvermögen ständig zunehmen und die Finanzmärkte neue Betätigungsfelder erzwingen?
Seit Jahrzehnten leugnen führende Theoretiker die Entwicklung der Geldvermögen als Ursache und Motor der gesellschaftlichen Entwicklung. Frau Leidig bricht in ihrem Beitrag insofern ein Tabu: <link http: www.fr-online.de meinung>„Die Banken und Versicherungen schwimmen im Geld. Deshalb will Wirtschaftsminister Gabriel nun Verkehrsinfrastruktur von Privaten finanzieren lassen und so „en passant“ einen neuen Markt mit veritablen Gewinnmöglichkeiten schaffen.“ Indirekt deutet sie auch „die massenhafte Enteignung bzw. privatkapitalistische Aneignung von Grund und Boden („Landgrabbing“)“ als eine Folge der globalen überproportionalen Zunahme der Geldvermögen.
Das massive Wachstum der Geldvermögen und die gefährlich zunehmende Konzentration, die weltweit zu beobachten sind, werden maßgeblich durch den Zinseffekt befeuert. Die große Mehrheit der Politiker und Ökonomen ignorieren bis heute diesen Zusammenhang. Aber erst wenn sich diese Wahrnehmung ändert, kann ein Vorschlag wie <link http: www.fr-online.de meinung>„Klimaschutzabgaben auf Kapital und Vermögen“ die gehoffte Wirkung erzielen. Solche Abgaben müssen dem Anwachsen der Geldvermögen und des Ressourcenverbrauchs entgegenwirken. Eine nachgelagerte Abschöpfung der bereits erzielten Gewinne und Einkommen ändert wenig an der Dynamik der Zerstörung.
Klaus Willemsen, 2.9.2014
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www.fr-online.de/meinung/gastbeitrag-abkehr-vom-wachstumsmantra,1472602,28273340.html
