Das reine Geldvermögen der Deutschen beträgt derzeit rund 5,2 Billionen Euro. 40 Prozent oder 2,1 Billionen Euro davon liegen auf Giro-, Spar- und Festgeldkonten, zitiert das Handelsblatt die aktuelle Bundesbankstatistik. Man wundert sich über die unreflektierte Zusammenstellung der Größen. Es wird nicht differenziert zwischen den tatsächlich liquiden Girobeständen und deren aktueller Entwicklung und der Entwicklung termingebundener Ausleihungen auf Spar- und Festgeldkonten. Gleichzeitig werden Vermögensbestände wie Aktien und andere Anteilsrechte als Geldvermögen bewertet, anstatt sie in der Kategorie Immobilienbesitz oder als sonstige Vermögenswerte aufzuführen.
Bei der Betrachtung der Größenordnungen ist dabei die relative Bedeutungslosigkeit verschiedener Vermögenswerte interessant. So machen „festverzinsliche Wertpapiere und Zertifikate 216 Milliarden Euro“ aus, nur „300 Milliarden Eurodes Gesamtvermögens ist in Aktien zu finden“ und lediglich „199 Milliarden Euro, oder vier Prozent der deutschen Geldvermögen ist in Form von weiteren Anteilsrechten, wie zum Beispiel GmbH-Anteilen“ investiert. Für das Funktionieren und die Stabilität der Währung ist es jedoch unwichtig, ob ein Unternehmen dem Aktionär oder dem Familienmitglied gehört. Ganz entscheidend jedoch ist es für die Währung, ob Private und Unternehmen ihre Vermögen ausgeben, ausleihen oder einen wachsenden Anteil auf den Girokonten horten.
Eine differenzierte Betrachtung der Problemlage wird durch die ungenauen Begrifflichkeiten nicht gerade erleichtert. So verweist das Handelsblatt auf Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble: „Auf die Dauer ist das Maß an Liquidität zu groß und das Zinsniveau zu niedrig.“ Um das "Maß an Liquidität" gezielt zu beeinflussen, sind letztlich zwei Größen entscheidend: die herausgegebene Notenbankgeldmenge und die Liquidität der Bürger und Institutionen auf ihren Girokonten. Wichtig an Schäubles Mahnung ist, dass die Liquidität auf den Girokonten zunimmt, je geringer der Zins für langfristige Ausleihungen ausfällt. Doch dies ist nur die halbe Wahrheit. Entscheidend ist die Zinsstrukturkurve und damit die Differenz zwischen kurzfristigen und langfristigen Anlagen.
Steigende Zinsen sind weder für den Finanzminister noch für Bürger und Unternehmen eine brauchbare Perspektive. Deshalb muss die Zinsstruktur am kurzfristigen Ende, nämlich beim Bargeld und bei der Liquidität auf den Girokonten nachgebessert werden. Dem Finanzminister ist zu widersprechen, wenn er davor warnt, dass „Niedrigzinsen und billiges Geld unschöne Nebenwirkungen haben“. Richtig ist, dass das Notenbankgeld nicht billig sein darf, sondern Kosten verursachen sollte. Niedrige Zinsen schaden aber nur dann, wenn der Geldumlauf nicht anderweitig gewährleistet werden kann. Erst indirekt, wenn nämlich die Notenbank die rückläufige Umlaufgeschwindigkeit durch immer neue Geldemissionen kompensiert, entsteht der Schaden für die Volkswirtschaft.
Klaus Willemsen, 29.6.2014
Verwendete Quellen:
<link http: www.handelsblatt.com finanzen boerse-maerkte marktberichte dax-ausblick-noch-einen-schritt-weiter>www.handelsblatt.com/finanzen/zertifikate/nachrichten/statistik-das-vermoegen-der-deutschen-waechst-weiter/10109818.html
www.handelsblatt.com/finanzen/boerse-maerkte/marktberichte/dax-ausblick-noch-einen-schritt-weiter/10076456.html
