Ihr Gast, Professor Giacomo Corneo, erläutert gleich zu beginn, den Zusammenhang von „Arbeitseinkommen und Kapitalrendite“. Er betont die „Privilegien durch ererbtes Vermögen“ und beschreibt die „Dynamik vom Auseinanderdriften von Wachstumsrate und Kapitalrendite“. Doch leider hinterfragt er weder die Kapitaleinkommen noch die ihnen zugrunde liegenden Vermögen.
Frau Kipping (Die Linke) empört sich über das Arbeitseinkommen eines Managers und lenkt damit von der „Oberschicht der Rentiers“ ab. Damit wird sie bei ihrem sozialen Engagement ausgerechnet von dem konservativen Wirtschaftsjournalisten Rainer Hank (FAS) beinahe links überholt, der die Kapitaleinkommen der Rentiers zumindest deutlich anspricht.
Frau Will schürt Empörung darüber, dass Kapital geringer versteuert wird als Arbeitseinkommen. Das sei weder gerecht noch ökonomisch effizient, unterstützt sie dabei Professor Corneo und ergänzt: „Für die Vermögensverteilung haben wir keine so genaue empirische Grundlage“. Mit dieser Feststellung will er sicherlich nicht die Vermögenseinkommen aus dem Fokus entlassen. Dennoch konzentriert er sich bei den Lösungsvorschlägen auf höhere Besteuerung und mehr Bürgerbeteiligung.
Die Frage, warum die Reichen immer reicher werden und wie man dem Anstieg der leistungslosen Einkommen an der Quelle entgegenwirken kann, bleibt völlig auf der Strecke. Mehrere Hundert Milliarden risikoloser Zinseinnahmen werden gar nicht erst erwähnt. Durch die wiederholte Nennung des gewöhnlichen „Sparbuchs“ als Beispiel für Kapitaleinkommen, entsteht der Eindruck, Kapitalerträge seien ein Zubrot des gemeinen Bürgers. Dass es sich im Kern um millionen- und milliardenschwere Geldvermögen in den Händen einer überschaubaren Anzahl von Familien handelt, ist der Talkrunde keine Empörung wert. Gleiches gilt für die Pachterträge aus Bodenbesitz.
Sehr geehrte Frau Will,
die Arbeitseinkommen sichern immer weniger Menschen einen angemessenen Lebensstandard. Ein maßgeblicher Grund liegt in der Tatsache, dass die Kapitaleinkommen überproportional zunehmen. Um ihre Frage „Warum werden nur die Reichen immer reicher?“ zu beantworten, müssen die Kapitaleinkommen benannt und deren Dynamik kritisch hinterfragt werden. Auf diese Sendung freue ich mich bereits.
Klaus Willemsen, 9.5.2014
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