Der mutigste Satz, den Bartholomäus Grill, Laura Höflinger, Katrin Kuntz, Michaela Schießl und Samiha Shafy formulieren, lautet: <link https: magazin.spiegel.de sp index.html _blank external-link-new-window>»Arme Länder sollten deshalb damit aufhören, Land an ausländische Konzerne zu verpachten.« Ihr Kronzeuge für diese richtungsweisende Forderung ist kein geringerer als der Chef der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation (FAO) der UNO, José Graziano da Silva. Seine Forderung lautet: <link https: magazin.spiegel.de sp index.html _blank external-link-new-window>»Die lokale Landwirtschaft zu fördern, das ist der Weg«.
Die Autoren kommen letztlich zu dem Schluss, dass der Boden entweder der Ernährung und Existenzsicherung der heimischen Bevölkerung dienen kann, oder den Profitinteressen von Investoren und Anlegern. Mit ihrer Analyse landen sie - fast heimlich und leise - bei der klassischen Bodenreformbewegung. Dient der Boden den Menschen oder dem Kapital? Will man Hunger und Flucht vermeiden, muss das Land den Menschen zugänglich bleiben, die dort leben und es bewirtschaften. Die örtliche oder städtische Gemeinschaft muss entscheiden können, wer den Boden nutzt und an wen er verpachtet wird. Sobald er privates Kapital darstellt, wird er früher oder später von Investoren auf der Suche nach Kapitalrenditen geraubt. Die kurzfristigen Interessen der Kapitalanleger decken sich dabei nur allzu selten mit den nachhaltigen Interessen der heimischen Bevölkerung.
»Es geht aber nicht nur um eine karitative Verteilung von Nahrungsmitteln.
Es geht um die Verteilung der Erde.«
Schade, dass man im Spiegel noch immer nichts über die Erkenntnisse der europäischen Bodenrechtsbewegung des 19. und 20. Jahrhunderts lesen darf. Für die Lösung der existenziellen Menschheitsprobleme wie Hunger, Raubbau an der Natur, Krieg und Vertreibung finden sich hier viele maßgebliche Ansätze. Die Frage der Ernährung und der Existenzsicherung sind letztlich Fragen der Verteilung. Das machen die Autoren deutlich. Es geht aber nicht nur um eine karitative Verteilung von Nahrungsmitteln. Es geht um die Verteilung der Erde. Wer hat ein Recht, den Boden zu besitzen, ihn zu bewirtschaften und ihn für die Nachkommen zu pflegen? Oder verteilen wir den Boden der Welt an jene, die über das meiste Kapital verfügen? Können wir die Probleme lösen, solange der Boden Kapital in privater Hand bleibt? Fragen, die heute so aktuell sind wie eh und je, wie der Spiegelbeitrag zur Welternährung schmerzlich bewusst macht. Den hungernden und heimatlosen Menschen wäre mehr geholfen, wenn die UNO Land aufkaufen und es an die einheimische Bevölkerung verpachten würde.
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Klaus Willemsen, 21.6.2017
Verwendete Quellen:
Der Spiegel, Nr. 25 / 17.6.2017
www.inwo.de/medienkommentare/ursache-der-bodenpreisentwicklung-bleibt-ein-tabu/
