ZDF: Kritik am Geldsystem von Börsenguru und Ex-Finanzminister

In der ZDF-Talksendung Markus Lanz haben "Mr. Dax" Dirk Müller und der ehemalige Bundesfinanzminister Hans Eichel das jetzige Geldsystem in Frage gestellt. Müller prangerte das Zinseszinssystem an, das zwangsläufig kollabieren müsse. Moderator Lanz lieferte zudem das Stichwort Josefspfennig, um das Problem zu veranschaulichen.

"Wir haben ein System, ein Zinseszins-, ein Schuldsystem geschaffen, das aus seiner Anlage heraus langfristig so nicht funktionieren kann. Darin sind sich eigentlich alle Protagonisten einig. Von Beginn an hat unser Finanzsystem, so wie wir es aufgestellt haben, eine Halbwertszeit. Es hat eine begrenzte Lebensdauer. Die Frage ist nur: Wie lange geht das noch?"

Zustimmung erhielt Müller dafür im ZDF von Hans Eichel, dem ehemaligen Bundesfinanzminister; auch für seine weitere Einschätzung der Situation:

"Wir sind in einer sehr, sehr späten Phase dieses Systems. Es hat viele Jahrzehnte funktioniert. Die Verschuldung geht nun dramatisch nach oben, exponentiell nach oben. Diese Verschuldung, diese Zinsen müssen ja von irgendjemandem aufgebracht werden: von den Bürgern, von den Menschen, die es erarbeiten müssen. Das wird immer mehr, immer steiler. Die Leute müssen immer mehr Gas geben, immer mehr kriegen sie abgeschnitten für diese Zinsen, bis sie das irgendwann nicht mehr tragen können und sagen, so, jetzt gehen wir auf die Straßen. Dann wird das System resettet, das heißt, die Schulden werden neu verhandelt."

Um das Wachstumsproblem des Geldsystems zu erläutern, brachte Moderator Markus Lanz auch das Stichwort Josephspfennig. Den beschreibt der Wirtschaftsanalytiker Helmut Creutz im Interview mit dem Deutschlandfunk so:

"Wenn man davon ausgeht, dass der Vater von Jesus zur Zeit der Geburt seines Sohnes bei der Sparkasse von Bethlehem einen Pfennig angelegt hätte, mit fünf Prozent Verzinsung, dann würde der Besitzer des Sparbuchs, der es heute präsentieren könnte, genau nach 2004 Jahren, einen Anspruch haben in einer Größenordnung, die man nur noch in Gold ausdrücken kann. Und zwar in Goldkugeln im Gewicht der Erde. Er hätte nicht nur Anspruch auf eine solche Goldkugel, er hätte Anspruch auf 268 Milliarden Goldkugeln im Gewicht der Erde, die aus diesem einen Pfennig herangewachsen wären, bei fünf Prozent Zinsen in 2004 Jahren!"

In der ZDF-Sendung weist Müller darauf hin, dass ein solches exponentielles Wachstum langfristig nicht funktionieren kann. Das hätten schon andere Zivilisationen erfahren müssen. Die Folge dieses Geldsystems sei es, dass sich immer mehr Geld bei immer weniger Leuten ansammele - und die breite Masse immer mehr verarme.

Eichel pflichtet Müller bei: "Wir sind nicht ärmer geworden. Da hat doch Herr Müller Recht: Die Verteilung ist ungerechter geworden. (...) Wir erleben eine ständige Umverteilung und das Problem ist lösbar."

Müller und Eichel bestätigen damit erstmals im öffentlich-rechtlichen Fernsehen die grundlegenden Analysen von Helmut Creutz und anderen Kritikern des jetzigen Finanzsystems. Wie eine nachhaltige Lösung aussehen könnte, beschreiben Creutz und andere Autoren auf INWO.de: in Artikeln wie "Fließendes Geld", Büchern und mit zahlreichen anderen Medien.