Allianz-Vorstand warnt vor niedrigen Zinsen

Niedrige Zinssätze bedrohen unseren Wohlstand, behauptet Allianz-Investmentvorstand Maximilian Zimmerer: Sie vernichten Sparvermögen, stehen dem Aufbau einer privaten Altersvorsorge entgegen und heizen die Inflation an. Mit seinem Gastbeitrag bei Focus online unterstützt der Autor die Polemik gegen die Zinspolitik der Notenbank.

Der Appell von Maximilian Zimmerer lautete: Wir brauchen mehr Wirtschaftswachstum, können uns dann hohe Zinsen leisten und so wachsen die Geldvermögen der Sparer weiter in den Himmel. Der Beitrag dokumentiert einen ausgesprochenen Tunnel-Blick und zeigt, wie wenig Ökonomen bzw Juristen in der Lage sind sich auf neue Rahmenbedingungen einzulassen.

Sehr geehrter Herr Zimmerer: Niedrige Zinssätze vernichten keine Sparvermögen. Allenfalls wachsen diese langsamer an. Berücksichtigt man jedoch, dass alle Zinserträge und Dividende aus der Arbeit von Menschen resultieren, und diesen letztlich am Lohn vorenthalten werden, ist der Anspruch auf hohe Zinserträge kritisch zu bewerten.

Die Vernichtung von Ersparnissen ergibt sich aus der schleichenden Geldentwertung. An diesem Punkt ist ihre Kritik an der Notenbankpolitik durchaus berechtigt. Das überproportionale Wachstum der Zentralbankgeldmenge lediglich durch eine Anhebung der Notenbankzinssätze zu parieren hieße jedoch, den Teufel mit dem Beelzebub auszutreiben. Nicht die niedrigen Zinsen „heizen die Inflation an“, sondern die fehlenden Koste für die Liquidität.

Ihre Hoffnung, die Vermögensverwaltung durch ein immer währendes Wirtschaftswachstum zu erleichtern, kann auf Dauer nicht gut gehen. Studien aus Ihrem eigenen Haus haben dargelegt, dass schon eine Verdoppelung der Wirtschaftsleistung alle 25 Jahre (bei 3 % Wachstum) die Ressourcen der Erde in absehbarer Zeit erschöpfen würden. Auch die Verdoppelung der Geldvermögen alle 36 Jahre (bei 2 % Realzins) beziehungsweise alle 20 Jahre (bei 3,5 % Realzins), wird die Kluft zwischen den Besitzenden und dem großen Rest der Bürger in unerträglicher Weise vergrößern.

Sie behaupten: „<link http: www.focus.de finanzen banken sparer-und-investoren-in-der-rendite-falle-anlagenotstand-in-deutschland-wir-muessen-endlich-weg-von-der-droge-niedrigzins_aid_1079517.html external-link-new-window external link in new>Während niedrige Zinsen nur wenigen nutzen und vielen schaden, kommt wirtschaftliches Wachstum allen zugute: dem Staat, den Schuldnern, den Sparern und den Investoren.“ Das Gegenteil ist richtig: Niedrige Zinsen senken die Belastung der Unternehmen in einem Umfang, der durch Steuersenkungen niemals zu erreichen wäre. Sie schaffen finanziellen Spielraum für höhere Löhne und entlasten alle öffentlichen Kassen. Ein niedriges Wirtschaftswachstum entlastet alle Menschen gleichermaßen, da es den Ressourcenverbrauch und die Verschmutzung der Umwelt reduziert.

Auch ihre Behauptung: „Profiteure sind ausschließlich Schuldner“, ist irreführend. Alle Schuldner müssen aufgenommene Kredite zurückbezahlen. Im Unterschied zu den Zinsbeziehern bekommen sie nichts geschenkt. Durch die niedrigeren Zinsen verringern sich lediglich die Kosten für die Ausleihung, was wiederum allen Menschen zugute kommt. Die Gefahr von privaten und unternehmerischen Insolvenzen geht dadurch zurück und auch für die öffentlichen Kassen werden die Schulden leichter rückzahlbar.

Ihre Forderung: Weg von der Droge „Niedrigzins“" setzt an der falschen Stelle an. Die Forderung an die Notenbank muss lauten: Sichern Sie die Vermögen der Sparer durch eine tatsächlich stabile und inflationsfreie Währung. Verringern Sie die Nachfrage nach Zentralbankgeld durch eine Gebühr auf dieses. Dies wäre ein entscheidender Schritt um den Wohlstand aller Sparer auf Dauer zu sichern.

Klaus Willemsen, 27.08.2013

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