Anleger reagieren enttäuscht auf Notenbanken

Verblüfft liest man heute Morgen gefühlvolle Schlagzeilen von den internationalen Finanzmärkten. Von "enttäuschten Anlegern" in Japan und den USA ist die Rede und von "Aktienmärkten, die enttäuscht reagierten". Wurde hier ein Liebender verlassen? Hat vielleicht ein guter Freund ein Versprechen gebrochen? Was hat Menschen, die auf der Jagd nach Profit, mit Milliardenbeträgen jonglieren, so berührt, dass es ihre Gefühle in die Schlagzeilen der Wirtschaftspresse schafften?

Auslöser der Gefühlsregungen sind zwei Entscheidungen der Währungshüter. „Die Zentralbanken in Amerika und Japan bleiben weiter vorsichtig und wollen nicht vorschnell die Zinsen weiter senken“, schreibt <link http: www.handelsblatt.com finanzen boerse-maerkte marktberichte boerse-frankfurt-anleger-reagieren-enttaeuscht-auf-notenbanken external-link-new-window external link in new>Handelsblatt.com am 12.Juli. Und weiter: „Die japanische Notenbank belässt den Leitzins weiter im Korridor zwischen null und 0,1 Prozent.“ Und auch die „US-Notenbank Fed habe keine Signale für eine unmittelbar bevorstehende, weitere Lockerung der Geldpolitik gegeben“.

Die internationalen Anleger spekulierten darauf, dass die Geldmärkte durch die Notenbanken weiter geflutet würden. Neben noch niedrigeren Leitzinsen soll die US-Notenbank Federal Reserve weiterer Anleihekäufe zur Stützung der Wirtschaft vornehmen. „Die Aktienmärkte reagierten enttäuscht…, da sich viele Anleger deutlichere Hinweise auf neue Schritte zum Ankurbeln der lahmenden Wirtschaft erhofft hatten - vor allem ein drittes Programm großvolumiger Anleihekäufe.“

Damit mehr Geld in die Finanzmärkte fließen kann, wodurch die Kurse ansteigen und damit weitere Profite erzielt werden können, erwarten Spekulanten ernsthaft die Aufgabe jeglicher vernünftiger Geldpolitik. Sind diese Hoffnungen der Anleger nun Ausdruck absoluter Unverfrorenheit oder zeigen sie eher auf, dass die Finanzjongleure am Ende ihres Lateins sind? Fakt ist, dass die Spekulanten großen Einfluss auf die Währungspolitik haben. Fakt ist aber auch, dass die weltweiten Geldströme nicht optimal fließen. Die Quelle der oben genannten Hoffnungen ist der Umstand, dass die Welt dringend fließendes Geld braucht, Geld das bereit steht für Investitionen und Anleihen. Durch sinkende Renditen in der Realwirtschaft und relativ niedrige Inflationsraten entstehen in diesem Bereich immer größere Defizite.

In dieser Situation hat man jahrzehntelang Leitzinsen gesenkt und die Geldmenge vergrößert. Beides ist heute nicht mehr möglich. Es ist daher konsequent, die existierenden Geldvermögen durch eine Gebühr auf Liquidität in den Markt zu treiben. Wir brauchen nicht immer neues Geld. Die vorhandenen Geldvermögen müssen dahin gelenkt werden, wo sie gebraucht werden. Die Notenbanker können mit der Gebühr auf Geld den Geldumlauf verstetigen. Dann tragen sie auch keine Schuld mehr an den Enttäuschungen von Spekulanten.

 

Klaus Willemsen, 12.07.2012

Der Autor ist freier Referent der <link http: www.inwo.de>Initiative für Natürliche Wirtschaftsordnung e.V.

Verwendete Quelle:
<link http: www.handelsblatt.com finanzen boerse-maerkte marktberichte boerse-frankfurt-anleger-reagieren-enttaeuscht-auf-notenbanken>Handelsblatt.com (Der Beitrag wird laufend aktuallisiert.)