Laut repräsentativer Umfrage sind nur 48 Prozent der Meinung, die Wirtschaftsordnung der Bundesrepublik habe sich bewährt. 80 Prozent glauben, dass die konjunkturelle Erholung an ihnen vorbeigehen wird. Mehr als 70 Prozent sagen, es gehe hierzulande "eher nicht gerecht" zu, schreibt die Berliner Zeitung. Die Schlüsse, die offenbar daraus gezogen werden, sind besonders bedenklich.
"Die Frustration macht auch vor der Demokratie nicht halt. (...) Hatten sich im September 2009 noch 62 Prozent der Deutschen zufrieden mit der Demokratie gezeigt, sind jetzt nur noch gut die Hälfte dieser Ansicht. Mehr als vier von zehn Befragten äußern sich dagegen kritisch."
Dass der Aufschwung nur bei wenigen Menschen ankommt, zeigen Zahlen der führenden Wirtschaftsforschungsinstitute. Sie rechnen mit 0,0 bis 0,4 Prozent realem Zuwachs bei den Stundenlöhnen. Für die Zukunft erwarten die Ökonomen aber Zuwächse, weil sich das gesellschaftliche Klima gedreht habe. Schließlich fordert sogar Bundeswirtschaftsminister Brüderle inzwischen kräftige Lohnerhöhungen.
Bezeichnenderweise sind es gerade die Beschäftigten im öffentlichen Dienst, die mit weiteren Nullrunden rechnen müssen. Und es ist so sicher wie das Amen in der Kirche, dass das "gesellschaftliche Klima" ganz schnell umschlägt, wenn die Wachstumsraten wieder niedriger ausfallen. Arbeitgeberverbände stapeln nach wie vor tief, wenn Tarifverhandlungen anstehen und warnen wie gewohnt vor einer Schwächung im globalen Wettbewerb.
Auch langfristig betrachtet fällt die Bilanz für das von allen ersehnte Wachstum bescheiden aus. Zahlen der Bundesbank belegen, dass ein steigende Wirtschaftsleistung vor allem für wachsende Geldvermögen sorgt - aber nicht für entsprechend steigende Löhne und Gehälter. Die zahlreichen Versprechen, die ans Wachstum geknüpft wurden, sind leere Versprechen und ganz offensichtlich eine massive Gefahr für die Demokratie.
