„Die ärmsten Länder holen auf“

... lautet eine Analyse zur Entwicklung von Entwicklungsländern in der NZZ. Der Beitrag geht auf die unterschiedliche Entwicklung in den 1980er Jahren und der heutigen Situation ein. Dabei wird die Rolle der Schulden, der Sparquoten und die größere Bedeutung von Direktinvestitionen dargestellt.

„Eine gefährlich hohe Verschuldung, wie sie für Brasilien typisch war, ist bei den Wachstumsländern, die nach 1990 den Take-off geschafft haben, weniger verbreitet. Dies hat damit zu tun, dass sich viele Länder gegenüber Direktinvestitionen geöffnet haben: Ausländer engagieren sich dabei direkt im Land, indem sie Joint Ventures eingehen, Fabriken bauen oder Minen betreiben. Direktinvestitionen gelten als stabile Finanzierungsquelle, da sich die ausländischen Investoren nicht von jedem konjunkturellen Gegenwind verunsichern lassen.“ (<link www.nzz.ch/aktuell/wirtschaft/wirtschaftsnachrichten/die-aermsten-laender-holen-auf-1.18061189 - external-link-new-window "Opens external link in new window">NZZ, 10.4.13</link>)

Leider bleibt an dieser Stelle der entscheidende Unterschied von Krediten und Direktinvestitionen unerwähnt: Beim Kredit trägt der Schuldner das Risiko und verpflichtet sich zu fest vereinbarten Zinszahlungen. Beim Joint Venture ist der ausländische Investor zu gleichen Teilen am Risiko beteiligt. Genau diesr Unterschied war für Mohamed entscheidend, den Zins zu verbieten, nicht aber den Unternehmergewinn.

Der Beitrag weist noch eine zweite Schwachstelle auf. Hervorgehoben wird die unterschiedliche Verschuldungssituation von Brasilien und Südkorea und dass dies massive Auswirkungen auf die Entwicklung der Gesellschaften hat. Unerwähnt bleibt der entscheidende Hebel: Der Abfluss von Zinszahlungen und das Abwürgen der Wirtschaftstätigkeit bei steigenden Zinssätzen.

In der Beurteilung der aktuellen Lage wird dieser ganz entscheidende Aspekt komplett übersehen. „Die armen Länder sind besser aufgestellt als in den achtziger Jahren, um ihre Erfolgsstory weiterzuschreiben“, lautet das Fazit. Diese Verbesserung der Lage kann man nicht losgelöst vom weltweit niedrigen Zinsniveau beurteilen. Es sind ja gerade die geringeren Schuldenlasten, die den Spielraum für Investitionen in die Bildung und die sonstige Infrastruktur schaffen.

Der Preis dafür ist eine hoch riskante Geldschwemmen-Politik der Notenbanken. Die Kosten dieser Risiken kommen erst noch auf die Weltgemeinschaft zu. Vorausgesetzt, man findet keinen Mechanismus, die Währungen der Welt zu stabilisieren UND gleichzeitig ein angemessen niedriges Zinsniveau zu gewährleisten.

Klaus Willemsen, 10.04.2013

Verwendete Quelle:
<link www.nzz.ch/aktuell/wirtschaft/wirtschaftsnachrichten/die-aermsten-laender-holen-auf-1.18061189;http://www.nzz.ch/aktuell/wirtschaft/wirtschaftsnachrichten/die-aermsten-laender-holen-auf-1.18061189?extcid=Newsletter_10042013%20MESZ_Top-News_am_Morgen</link>