Einkommen ist Reichtum für Anfänger, Fortgeschrittene lassen das Geld selbst arbeiten

stellt der Stern Journalist Walter Wüllenweber fest und meint damit die Einkommen aus jeglicher Arbeit. In seinem Buch „Die Asozialen“ stellte er die Reichen und Superreichen auf eine Stufe mit jenen, die von staatlichen Transferleistungen leben. Aus Sicht der Menschen, die durch ihre Arbeit die Einkommen Anderer ermöglichen, sind beide Gruppen gleichermaßen eine enorme Belastung. Das Überwachstum der leistungslosen Einkommen wird unsere Gesellschaft ruinieren.

Jens Kassner bespricht in <link http: www.freitag.de autoren jkassner zurueck-zum-gentleman-kapitalismus external-link-new-window external link in new>„der Freitag“ Walter Wüllenwebers Buch, das den Untertitel „Wie Ober- und Unterschicht unser Land ruinieren“ führt. Für den Traditionslinken Kassner ist diese Gleichstellung starker Tobak und doch fällt die Buchbesprechung moderat aus. „Walter Wüllenweber analysiert zwei gesellschaftliche Gruppierungen, die er nicht nur für asozial, sondern auch als gefährlich für die Gemeinschaft ansieht. Es sind die Superreichen sowie die arbeitsunwillige unterste Schicht.“ Kassner stellt fest, „es finden sich tatsächlich Gemeinsamkeiten. Das ist zunächst – für Wüllenweber Hauptmerkmal – die Nichterbringung von verwertbaren Leistungen.

Während dieses Merkmal für die Gruppe der Hartz IV Bezieher ständig diskutiert wird, überrascht es geradezu in Bezug auf die Einkommen der Reichen. Kassler zitiert den Buchautor scheinbar ungläubig: „Messbares Kriterium für die Oberschicht, bzw. die High Net Worth Individuals, die HNWIs, ist das frei verfügbare Kapital von einer Million Dollar, also etwa 750 000 Euro. Von dieser Gruppe, die in Deutschland größer ist als anderswo, grenzt er aber noch einmal jenes Promille der Bevölkerung ab, welches annähernd ein Viertel des Vermögens besitzt, womit zunächst auch nur Geld auf überprüfbaren Konten gemeint ist.“ Beide Autoren stimmen überein: „Erarbeitet haben sich diese Leute diese Summen keineswegs.“

Leider wird aus der Besprechung kein Zusammenhang zwischen den beiden Phänomenen erkennbar. Der Kritiker hält lediglich fest, dass der Buchautor selbst betont, für Lösungen nicht zuständig zu sein. Beiden Autoren sei daher gesagt: Schon das als Untergrenze für Reichtum angeführte frei verfügbare Kapital erbringt bei einer lapidaren Verzinsung von 3,5 % Zinseinnahmen von 26 250 Euro. Ein Einkommen, das bereits viele Beschäftigte nicht erreichen.

In den letzten 10 Jahren haben die Zinseinnahmen in Deutschland durchschnittlich 257.000.000.000 € betragen. Mit dieser Summe wären 10 Millionen Gehälter zu finanzieren, die auch im Alter ein Leben deutlich jenseits der Armutsgrenze garantierten. Hier ist der Lösungsansatz zu finden. Erst ein dauerhaft niedriges, möglichst gegen Null gehendes Zinsniveau stoppt den Vermögenszuwachs am einen Ende und schafft Spielraum für neue und höhere Gehälter am anderen Ende der Einkommensskala.

Beide Autoren fragen sich, wer eigentlich die wirklich Reichen sind: „Die wohlhabenden Promis, die man in Society-Journalen Champagner schlürfen sieht, gehören in der Regel nicht dazu. Sie haben zumeist noch einen, wenn auch überproportional dotierten, Job. Die echten Reichen, häufig Erben, verstecken sich hinter ungestrichenen Zäunen, sind auch in den Medien nicht sichtbar.“ Anstatt solchen und ähnlich bedeutungslosen Frage nachzugehen, sollten sie die Strukturen unseres Geldsystems in den Fokus ihrer Betrachtungen stellen.

Klaus Willemsen, 04.10.2012
Der Autor ist freier Referent der <link http: www.inwo.de>Initiative für Natürliche Wirtschaftsordnung e.V.

Verwendete Quellen:

<link http: www.freitag.de autoren jkassner zurueck-zum-gentleman-kapitalismus>www.freitag.de/autoren/jkassner/zurueck-zum-gentleman-kapitalismus

<link http: www.helmut-creutz.de external-link-new-window external link in new>Helmut Creutz, Das Geldsyndrom 2012, Wege zu einer krisenfreien Wirtschaftsordnung, Verlag Mainz, 2012, S.137