Hank schreibt über den "Krieg von Chioggia" (1378-1382), den "Showdown zwischen Venedig und Genua" und den folgenden Staatsbankrott. Gleich bei seinem ersten Beispiel zeigt sich die stark eingeschränkte Perspektive. In der historischen Analyse des Kaufmanns Gregorio Dati ("Isotria di Firenze") heißt es demnach nämlich: "Und so lange sie das eingezahlte Geld noch nicht zurück kriegen, haben sie wenigstens konstante Zinseinnahmen." Das gilt jedoch nur für Menschen mit einem entsprechend großen Vermögen. Ein Zeitgenosse setzt noch einen drauf: "Staatsschulden sind das Fundament der Stabilität unseres Gemeinwesens." Dabei zeigt sich doch gerade das genaue Gegenteil: Die stetig wachsende Verschuldung sorgt für Neuschulden-Rekorde und entsprechende Zinszahlungen in Milliardenhöhe. Bereits seit Jahren ist letzteres der zweitgrößte Posten im Bundeshaushalt.
Allerdings scheint es der <link http: www.fazfinance.net aktuell wirtschaft-und-konjunktur staatsschulden-sind-gar-nicht-so-uebel-2500.html _blank external-link-new-window external link in new>FAZ hier auch gar nicht um eine neutrale Perspektive zu gehen. Der Kern der Botschaft lautet (und steht genau so im Text): "Kredit kommt von lateinisch credere: vertrauen. Es wäre zu schade, wenn durch die aktuelle Europakrise Staatsschulden generell in Misskredit kämen." Es folgt These auf These, um dieses (blinde?) Vertrauen zu stärken und eine erschreckend rückschrittliche Politik zu rechtfertigen. Die Kaufleute hätten darauf geachtet, dass sie ihr Geld auch zurückbekamen. In einer Demokratie dagegen könne die Mehrheit auch den Staatsbankrott, d. h. Verluste für die Gläubiger, bevorzugen, wenn sie dadurch höhere Steuern vermeiden würden. Dieser "Destruktionsmechanismus" werde durch demokratische Wohlfahrtsstaaten noch verstärkt, so Hank.
Grundlegend für das destruktive Geldsystem sind jedoch weder die Demokratie noch Wohlfahrtssysteme. Destruktiv ist der Zinseszins und die systemische Umverteilung zugunster einer kleinen Minderheit. Er führt zu zwangsläufig zunehmenden Spannungen in wirtschaftlichen, politischen und gesellschaftlichen Bereichen, zur Notwendigkeit eines wachsenden Wohlfahrtssystems und kann auch die Demokratie gefährden, wie die eilig durch die Parlamente geprügelten "Rettungspakete" zeigen. Eine <link http: www.inwo.de _top external-link-new-window external link in new>konstruktive Umlaufsicherung bietet da eine interessante und nachhaltige Perspektive - und die Aussicht auf weniger, durchaus üble Staatsschulden.
