FTD: Euro-Anleihe - großer Wurf oder nur lebenserhaltende Maßnahme für den Euro?

Der Chef der Euro-Gruppe, Luxemburgs Premier Jean-Claude Juncker, ist dafür. Der Wirtschaftsweise Peter Bofinger hält sie für den nötigen "großen Wurf". Jörg Krämer, Chefvolkswirt der Commerzbank, will damit den gesamten Euroraum stabilisieren. Die Rede ist von einer Euro-Anleihe, auch Euro-Bond genannt. Im Januar könnte der Türöffner dafür starten. Aber was wird er bringen?

Der Euro-Rettungsfonds, mit vollständigem Namen European Financial Stability Facility (EFSF), will Anfang des Jahres Bonds ausgeben, d. h. Wertpapiere für fast 18 Milliarden Euro. Damit sollen die Rettungsaktionen finanziert und dafür gesorgt werden, dass Anleger wieder Vertrauen fassen, wie die Financial Times Deutschland berichtet.

Aus der Rettungsaktion könnte allerdings auch ganz schnell der Normalfall werden. Müssen weitere Staaten den Fonds der Euroländer in Anspruch nehmen, dürfte der Topf bald zu klein werden. Viele Ökonomen fordern deswegen schon jetzt eine Aufstockung: von 750 auf 1500 Milliarden Euro. Damit könnten dann vermutlich alle PIIGS-Staaten (Portugal, Irland, Italien, Griechenland und Spanien) gerettet werden. Es könnten aber auch weitere Dominosteine fallen.

Deshalb fordert der Wirtschaftsweise Peter Bofinger einen "großen Wurf" und verbindet das mit einer drastischen Warnung: "Nur mit der gemeinsamen Anleihe ist der Euro noch zu retten", sagte er der Frankfurer Rundschau. Die Idee dahinter ist schnell erklärt: Wenn Staaten mit schlechter Kreditwürdigkeit wie Spanien alleine Kredite aufnehmen, müssen sie mit hohen Zinsen rechnen. Tun sie sich dagegen mit Staaten wie Deutschland zusammen, die ein besseres Rating haben, fallen die Zinsen niedriger aus. Die Deutschen würden dann zwar etwas drauf zahlen, müssten aber - zumindest theoretisch - keine weiteren Rettungen finanzieren. Und im Gegensatz zum Dollar wäre der Euro dann womöglich wieder eine sicher erscheinende Investition.

Die Frage ist allerdings, ob das tatsächlich ein großer Wurf wäre. Oder nur die nächste lebenserhaltende Maßnahme für ein chronisch krankes System. Schließlich würde der gemeinsame Euro-Bond das Problem nur verschieben. Denn was passiert bei der nächsten großen Krise? Was, wenn auch die gemeinsame Anleihe der Euroländer nicht für Ruhe an den Märkten sorgt? Wäre es nicht besser, für ein Finanzsystem zu sorgen, das nicht ständig von den Märkten getrieben wird? Sollte Geld nicht eigentlich nur ein Schmiermittel für die Wirtschaft sein und nicht der kopflose Antrieb im Dauervollgas?

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