Geldsegen für Schäuble

Die Bundesregierung hat 2015 mehr Geld eingenommen, als sie ausgegeben hat. Dem Nachrichtenmagazin »Der Spiegel« ist diese überaus bedeutungsvolle Nachricht die kleinste mögliche Notiz wert. Nicht jedoch, weil ein Haushaltsüberschuss bei einem Schuldenstand von zwei Billionen Euro selbstverständlich sein sollte, sondern weil man sich nach wie vor schwer tut, die sinkende Zinsbelastung als wichtigste ökonomische Ursache zu benennen.

»Keine Angst vor der Wahrheit« lautet der aktuelle Spiegel-Slogan. Zur ökonomischen Wahrheit der Bundesrepublik gehört, dass wir auf allen Ebenen von den anhaltend niedrigen Zinssätzen profitieren. Schäubles Haushaltskonsolidierung wäre nicht möglich gewesen, ohne die extrem niedrigen Zinsen für die aktuellen Staatsanleihen. Auch die gute Beschäftigungssituation in Deutschland ist eng mit der geringen Zinsbelastung für Unternehmen, Konsumenten und die öffentlichen Kassen verbunden.

Es ist unbegreiflich, dass »Der Spiegel« jahrzehntelang die Zinssätze und Zinslasten bei seinen ökonomischen Analysen heruntergespielt oder gar ignoriert hat. Es bleibt daher nur zu hoffen, dass sich in der Redaktion mutigere Kräfte durchsetzen können. Die positiven Effekte niedriger Zinsen und einer niedrigen Inflationsrate auf die Ökonomie im Allgemeinen und die Kassenlage der Körperschaften und Unternehmen im Besonderen sind so offensichtlich, dass ich es als bewusste Täuschung bezeichnen würde, diese weiterhin in der Berichterstattung zu unterschlagen.

In diesem Sinne bin ich gespannt auf das nächste Heft, in dem die genauen Zahlen des Finanzministers sicherlich ausführlich kommentiert werden.

Klaus Willemsen, 11.1.2016

Verwendete Quelle:
Der Spiegel, 2/2016