Genau dies ist das Problem, Herr Wissing. Um den Euro stabil zu halten werden mehrere 100 Mrd. Euro unserer Steuergelder ausgegeben, um sie den Vermögenden hinterherzuwerfen. Natürlich sind die Empfänger dieses Geldes nicht die griechischen Bürger, sondern vermögende Kreditgeber. Die Verstaatlichung der griechischen Schulden ist Betrug am Steuerzahler. Wenn private Anleger über Jahrzehnte hinweg hohe Risikoaufschläge auf ihre Griechenland Anleihen erhalten haben, müssen sie auch riskieren, dass diese nicht mehr zurückgezahlt werden.
Die Stabilisierung unserer Währung ist nur durch Gebühren auf Geld möglich. Eine zu große Nachfrage nach Liquidität muss bei den Nutzern Kosten verursachen.
Volker Wissing: "Wenn die Banken infolge einer Staateninsolvenz Griechenlands hohe Summen abschreiben müssten, hätte das auch Auswirkungen auf den Steuerzahler. In solch einem Szenario würde der Staat die Banken nicht alleine lassen können. Eine zweite Lehman-Brothers-Pleite können wir nicht verkraften. Die großen Banken müssten rekapitalisiert werden, um die Sparguthaben der Bürger zu sichern. Das könnte nur der Steuerzahler leisten. … Wenn das Bankensystem in Europa zusammenbrechen würde, gäbe es ein böses Erwachen. Jeder Mittelständler braucht Kredite, zum Beispiel um seine Aufträge zu finanzieren. Davon hängen Arbeitsplätze in Deutschland ab.“
Marktwirtschaft kann nur funktionieren, wenn derjenige, der den Risikoaufschlag einstreicht, auch für das Risiko geradestehen muss. Wenn das Bankensystem in Europa zusammenbrechen würde, wäre die Ursache das Überwachstum der Geldvermögen und Schulden durch den exponentiellen Wachstumsmechanismus. Solange Geldvermögen und Schulden schneller wachsen als das BIP, können wir den Zusammenbruch lediglich hinauszögern, nicht aber verhindern.
Herr Wissing, benennen Sie die Zinszahlungen der griechischen Bürger und Steuerzahler sowie der deutschen Bürger und Steuerzahler in absoluten Zahlen. Erklären Sie, wieso es zu einer Kreditverknappung kommen kann, während die Geldvermögen eine noch nie da gewesene Dimension erreicht haben.
Nicht die Banken sind das Problem. Die Möglichkeit der Gläubiger, Kredite künstlich knapp und damit teuer zu halten, ist für die Wirtschaft problematisch. Griechische Unternehmen müssen heute für einen Kredit 10 bis11 Prozent Zinsen bezahlen, während die Anleger kaum noch wissen wohin mit ihrem Geld. Und selbst der solideste aller Schuldner, der deutsche Staat, zahlt noch immer 3 Prozent für seine Anleihen. Der Fehler liegt im System. Bitte sprechen Sie darüber.
Die Zitate von Herrn Wissing sind aus der Zeitschrift "<link http: www.volker-wissing.de griechenland-zahlt-hohe-zinsen-an-die-bundesrepublik index.html external-link-new-window externen link in neuem>Die Rheinpfalz", Ausgabe Nr. 137 vom 15. Juni 2011, Seite 3
Klaus Willemsen, 01.07.2011
