Immobilienboom, Betongold-Rausch und andere Irrtümer

In ihrem Morningbriefing weist mich das Handelsblatt auf eine „verrückte“ Entwicklung am Immobilienmarkt hin, die zu historischen Höchstpreisen führt. Doch schon die wenigen Zeilen machen deutlich, dass die Redaktion Symptome beschreibt, ohne die Ursachen, und damit die tatsächliche Dimension, der Entwicklung zu durchdringen.

„Zu Recht haben uns viele Leserinnen und Leser ermahnt, nicht nur auf das Geschehen an den Börsen zu achten. Die Angst vor Inflation und die niedrigen Zinsen treiben Anleger mit mindestens gleicher Wucht in deutsche Immobilien. Der Betongold-Rausch führt zu historischen Höchstpreisen, so dass selbst Makler von einem "verrückten Markt" sprechen. Unser heutiger Wochenendtitel zum Immobilienboom in Deutschland beantwortet die 15 drängendsten Fragen aller Hauskäufer und solcher, die vorhaben, welche zu werden.“ (HB Morningbriefing, 8.März 2013)

Schaut man genau hin, sieht man schnell, dass der "Rausch", oder besser die blasenhafte Preisentwicklung nicht irgendwelche Immobilien betrifft. Landauf landab steigen die Preise für Grund und Boden. Dies betrifft den Landwirt in Thüringen ebenso wie die junge Familie in München, Frankfurt oder Düsseldorf. Letztere kaufen zum Grundstück meist ein schon bestehendes Haus. Dessen materieller Wert ist in den letzten 10 Jahren jedoch nicht gestiegen. Auch die Kosten für den Neubau einer Wohnung sind heute nicht 30 % höher als vor fünf Jahren. Was einzig teurer geworden ist, ist der spekulative Wert des begrenzten Bodens.

Es gibt keinen "Betongold-Rausch“, wie das Handelsblatt vermutet. Was wir erleben, ist der ungebremste, jedoch vollkommen logische, Anstieg der Bodenwerte. Der Bodenbesitz garantiert auf Dauer ein leistungsloses Einkommen durch die Pacht. Je  weiter die Zinsen am Kapitalmarkt sinken, desto lohnenswerter ist es für den Kapitalbesitzer Grundstücke zu erwerben. Es ist auch nicht die Angst der Anleger, sondern deren rationelle Kalkulation, die den Preisaufstieg befeuert. Diese Entwicklung ist eine existenzielle Bedrohung für viele Menschen in allen Teilen der Welt. Sie als "verrückten Markt" zu titulieren, könnte man als Irreführung der Leser wahrnehmen.

Mehr über die weit verbreiteten Irrtümer und die Zusammenhänge zwischen Geld- und Bodenkapital erfahren Sie von Professor Dirk Löhr bei der Essener Perspektiventagung am nächsten Wochenende. Siehe hierzu: <link http: www.perspektiventagungs.de>www.Perspektiventagungs.de . Nur wer die Ursachen richtig erkennt, kann die notwendigen politischen Forderungen erarbeiten.

Klaus Willemsen, 8.3.2013

 

Verwendete Quelle:
Morningbruefing der Handelsblatt Redaktion vom 8.3.2013