Der Komplex wurde lediglich von Prof. Helge Peukert aus Erfurt diskutiert („Der Wachstumszwang im gegenwärtigen Geldsystem“, Samstag von 9.30 – 11.00), der freundlicherweise seine eigene Redezeit von 15 Minuten an mich abtrat. Durch Christoph von Freydorf (Uni Erfurt) und mich vertreten kam so die freiwirtschaftliche Sicht noch auf die Bühne, wenngleich nur sehr knapp. Dass durchaus Bedarf nach einer ausgiebigeren Diskussion dieses Themas bestanden hätte, belegte der Andrang (der Hörsaal war voll). Genügend Platz für ein entsprechendes Forum wäre auch noch vorhanden gewesen - Änderungen im Programm wurden durchaus an anderer Stelle noch spontan vorgenommen. Nun hatten nicht etwa die Vertreter der freiwirtschaftlichen Organisationen die ATTAC-Veranstaltung verschlafen. Zahlreiche Versuche, die freiwirtschaftliche Sicht der Dinge einzubringen, blieben schlichtweg ohne Resonanz. Dazu zählten auch meine eigenen Ansprachen des Orga-Teams im Vorfeld der Veranstaltung. Für mich stellte sich die Frage, ob organisatorische Schusseligkeit oder Absicht die Ursache war. Mittlerweile mehren sich leider die Hinweise darauf, dass die Frage, ob Geld im Allgemeinen und die Freiwirtschaft im Besonderen eine Bühne in der Veranstaltung bekommt, durchaus von den Organisatoren der Veranstaltung kontrovers diskutiert wurde und dass es sich um eine bewusste Entscheidung gegen diesen Themenkomplex handelte. Viele Teilnehmer und wohl auch Teile der ATTAC-Mitglieder (z.T. aus anderen Organisationen) waren jedenfalls über die Lücke, die in der Veranstaltung klaffte, unglücklich. Stellt sich die Frage, wie künftig mit ATTAC umgegangen werden soll. M.E. besteht Gesprächsbereitschaft bei vielen Mitgliedern, allerdings ist dies bei wichtigen Kräften, welche die Organisation mit steuern, bislang wohl eher zu verneinen. Solange die Dogmatiker das Sagen haben, können gemeinsame Gespräche über die Rolle des Geldes im Wachstumskontext offenbar leider nur auf alternativen Bühnen - jenseits von ATTAC - stattfinden.
Prof. Dirk Löhr
