Kasino-Kapitalismus durch billiges Geld

Bundesbank-Präsident Jens Weidmann kommentiert in einem kurzen SPIEGEL-Interview den Begriff "Kasino-Kapitalismus".

„SPIE­GEL: Bringen die Notenbanken mit ihrer Politik des billigen Geldes das Kasino nicht überhaupt erst in Schwung? Weid­mann: Das ist eine Frage, die auch mich umtreibt. Die Notenbanken weltweit haben mit ihrer lockeren Geldpolitik eine Eskalation der Krise verhindert. Aber je länger sie an dieser Politik festhalten, desto größer wird das Risiko neuerlicher Übertreibungen an den Vermögensmärkten."

Ist Herr Weidmann tatsächlich im Zweifel, wie dieser scheinbare Widerspruch aufzulösen ist? Wir haben in der Vergangenheit mit Erstaunen zur Kenntnis genommen, dass es in der "Wirtschafts-Wissenschaft" durchaus plausibel sei, dass ein und dieselbe Maßnahme entgegengesetzte Auswirkungen haben kann. Doch im vorliegenden Fall ist es gar nicht nötig, den Begriff Wissenschaft derart zurecht zu beugen. Die Auflösung ist vergleichsweise simpel und vor allem logisch.

Als Bundesbank-Präsident sollte Herr Weidmann das Notenbankgeld gar nicht "billig" machen. Was billig ist, wird nicht Wert geschätzt und womöglich missbräuchlich verwendet. Im Gegenteil sollte das Notenbankgeld den Nutzern Kosten bereiten. Die Nutzung des Geldes verschafft Vorteile und für diese Vorteile können wir etwas bezahlen.

"Billig" sollte allenfalls das Kapital- bzw. das Kreditangebot werden. Zumindest müssen die Kapitalerträge, bei anhaltend schwachem Wachstum und gewaltigem Kapitalüberangebot, gegen Null fallen. Der Preis sollte dem marktwirtschaftlichen Gesetz von Angebot und Nachfrage folgen. Nur so ist zu gewährleisten, dass sowohl die Wirtschaft als auch die überschuldeten Staaten vital bleiben können. Mit sinkenden Kapitalerträgen mutiert der "Kasino-Kapitalismus" zu einer von Politik und Notenbank beherrschbaren Marktwirtschaft.

Beide Ziele sind durch eine Gebühr auf das Notenbankengeld zu erreichen.

Klaus Willemsen, 6.11.2013

Verwendete Quellen:
DER SPIEGEL 45/2013, S.76/77
<link http: magazin.spiegel.de reader>magazin.spiegel.de/reader/index_SP.html