Die fragwürdige Überschrift entspringt einer Studie der DZ Bank, dem genossenschaftlichen Zentralinstitut, und taugt nicht als Schlagzeile zur Geldpolitik. Ihrem Beitrag kann man entnehmen, dass schon die Begründung dieser Zahl sehr fraglich ist. Die DZ Bank vergleicht die heutigen Zinserträge und Zinskosten der Privathaushalte mit denen vor der letzten Finanzkrise. Dabei bleiben jedoch die diversen finanziellen Vorteile der breiten Bevölkerung durch die Niedrigzinsphase, wie stabile Preise, positive Lohnentwicklung und die Entlastung der sozialen Sicherungssysteme unberücksichtigt. Da man unterstellen kann, dass die Haushalte mit nennenswerten Ersparnissen gleichzeitig diejenigen sind, die maßgeblich das Steueraufkommen tragen, muss man insbesondere die Entwicklung der Staatseinnahmen und -ausgaben in die Kostenbilanz einbeziehen.
Ansatzweise tun Sie dies, indem Sie im gleichen Artikel auf eine Studie des Kieler Instituts für Weltwirtschaft (IfW) verweisen, die auf Zinseinsparungen im Bundeshaushalt hinweist. Geringere Ausgaben für die Schuldzinsen sind unterm Strich geringere Steuerzahlungen. Sie gehören daher in die Bilanz der Haushalte einbezogen. Doch auch die Zahlen dieser Studie, für die Entlastung des Staatshaushalts, sollten kritisch kommentiert werden.
Sie schreiben: <link http: www.spiegel.de wirtschaft soziales ezb-geldpolitik-kostet-privathaushalte-190-milliarden-euro-a-1027724.html>»Das Kieler IfW veranschlagt die Zinseinsparungen des deutschen Staates allein für das laufende Jahr auf 20 Milliarden Euro.« Und weiter oben lesen wir, das IfW <link http: www.spiegel.de wirtschaft soziales ezb-geldpolitik-kostet-privathaushalte-190-milliarden-euro-a-1027724.html>»hat unterdessen ausgerechnet, dass der deutsche Finanzminister bis ins Jahr 2030 mit Zinseinsparungen von 160 Milliarden Euro rechnen kann.« Diese Summe unterstellt eine jährliche Einsparung von nur ca. 10 Milliarden Euro. Bei einer Beibehaltung der jetzigen Situation könnte die Zinsersparnis jedoch von Jahr zu Jahr größer werden. Auslaufende, hochverzinste Anleihen könnten peu à peu in Null-Zins-Anleihen umgewandelt werden. Die Steuerzahler, und damit insbesondere die oben genannten Haushaltsgruppen, könnten dadurch letztlich mit 60 Milliarden Euro entlastet werden.
Die Bilanz aus Sicht Ihrer Leser sieht damit ganz anders aus. Und damit könnte auch Ihre Schlagzeile ganz anders lauten. Eine konstruktive Niedrigzinspolitik bietet gerade auch für den bürgerlichen Mittelstand ein Gewinnpotenzial. Um dies zu erkennen, muss man jedoch die Möglichkeit einer konstruktiven Geldumlaufsicherung ohne Inflation und steigende Zinssätze sehen und begreifen.
Klaus Willemsen, 10.04.2015
Verwendete Quelle:
www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/ezb-geldpolitik-kostet-privathaushalte-190-milliarden-euro-a-1027724.html
