Liebes Team von "Wer Rettet Wen?"

Euch und Eure Arbeit schätze ich sehr und unterstütze sie gerne. Bitte erlaubt mir daher einen solidarisch-kritischen Kommentar zu Eurem Rundschreiben vom 15. April. Mit Verweis auf den geschätzten Joseph E. Stiglitz fordert Ihr einen Schuldenschnitt für Griechenland, »damit Kapitalismus funktioniert«. Damit konterkariert Ihr jedoch Euer gesamtes Projekt.

Kapitalismus bedeutet vor allem leistungsloses Einkommen aus Geldkapital und Bodeneigentum. Da diese Vermögen sehr ungleich verteilt sind, arbeitet die Mehrheit der Menschen für den Kapitalertrag einiger weniger. Ihr schreibt: »Nur 6,5 Prozent der Deutschen sind Aktionäre, noch weniger haben Immobilien.  Alle anderen sind die großen Verlierer«. Gemeint sind hier wohl abbezahlte Immobilien? Richtig so, denn trotz des anhaltend niedrigen Zinsniveaus müssen auch heute viele Milliarden Euro an Zinsen erwirtschaftet werden. Verlierer sind daher alle, die direkt (Hypotheken- oder Konsumentenkredite) oder indirekt (in Steuern oder Konsumausgaben) diese Zinsen zahlen und erarbeiten müssen.

Am Beispiel Japan beschreibt Ihr diese Situation: Seit Ende der 80er »werden der Staat, aber auch viele große Konzerne von gewaltigen Schulden erdrückt. Zinszahlungen für Schulden fressen jedes Wirtschaftswachstum und alle Konsumsteigerung auf. In Japan regiert seither das Gespenst, das jetzt auch Europa droht: Die Deflation!«

Die entscheidende Maßnahme, um die Schuldenlasten tragbar zu machen und gleichzeitig die Deflation zu verhindern, sind die von John Maynard Keynes u.a. geforderten Durchhaltekosten auf Liquidität. Liquiditätsgebühren, wie sie die INWO in ihrem Aufruf »Stabile Währung dank Durchhaltekosten« beschreibt, verhindern die Geldhortung, stabilisieren das Kreditangebot auf niedrigem Zinsniveau und ermöglichen eine dauerhaft stabile, inflationsfreie Währung.

Schuldenschnitte ohne ein dauerhaftes Nullzinsniveau schaffen lediglich ausreichend Luft, um weiterhin Milliarden an Zinszahlungen bezahlen zu können. Ihr findet dafür zahllose Beispiele, die Ihr nicht gutheißt. Solche Schuldenschnitte erhalten das kapitalistische Prinzip der Ausbeutung am Leben. Die Geld- und Bodenreform ermöglicht eine Marktwirtschaft ohne diese Formen der kapitalistischen Ausbeutung.

Ganz entscheidend ist Euer Hinweis auf die private Bodenspekulation: »Gewinner sind auch die Immobilien-Besitzer. In Z.B. Hamburg sind die Grundstückspreise in der Krise (!) um 70% gestiegen. Auf der Suche nach sicheren und profitablen Anlagen bleiben den Reichen der Erde bei null-Zinsen nur noch die Immobilien großer Städte. So schwemmt ihr Kapital in die Metropolen und vertreibt die ansässige Bevölkerung aus ihren Vierteln.« Darüber hinaus betrifft dieser Trend Millionen Menschen weltweit, die von Profit suchendem Kapital von ihrem Land vertrieben werden.

Die Forderung, den Boden der privaten Spekulation zu entreißen, wie sie die INWO erhebt, muss hier und heute von uns durchgesetzt werden. Eine Bodenreform ist ein zwingend notwendiger Zivilisationsschritt zu einer friedlichen und für alle Menschen lebenswerten Gesellschaft.

Hochachtungsvoll
Euer Klaus Willemsen

15.4.2015

Verwendete Quellen:
<link>info@whos-saving-whom.org ; <link http: www.wer-rettet-wen.org blocked::http:>www.wer-rettet-wen.org
<link http: www.inwo.de ziele stabile-waehrung-dank-durchhaltekosten>www.inwo.de/ziele/stabile-waehrung-dank-durchhaltekosten/