Entsprechend dieser Tradition fällt die Kritik an immer positiven Zinssätzen zaghaft aus. Ferdinand Fichtner, Konjunkturexperte des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) wird immerhin mit dem Satz zitiert: „Denn die Zinsen müssen von irgendwem erwirtschaftet werden.“ Dass diese aus dem Ertrag der Arbeitenden abgezweigt werden, sagen die Experten nicht, betonen aber, dass etwa 40 Prozent der Deutschen über kaum oder keine Ersparnisse verfügen.
Der momentan beliebten Behauptung, geringe Zinseinnahmen kämen einer Enteignung der Kapitalbesitzer gleich, widerspricht der Direktor des Wirtschaftsforschungsinstituts IMK immerhin. „„Prinzipiell kann man hier nicht von einer Enteignung sprechen“, sagt Gustav Horn, „denn es gibt keinen Rechtsanspruch auf hohe Zinsen – genauso wenig wie auf Gewinne oder hohe Löhne.“ Ebenso wie Löhne und Gewinne können Zinsen nur gemäß der wirtschaftlichen Lage gezahlt werden. „Und diese Lage ist schlecht“, so Horn.“ (<link http: www.berliner-zeitung.de wirtschaft external-link-new-window external link in new>Berliner Zeitung)
Warum er die Situation niedriger Zinslasten als wirtschaftlich schlechte Lage beurteilt, bleibt sein Geheimnis. Fakt ist, dass es den Unternehmen aufgrund niedriger Kapitalbelastungen sehr gut geht und der Spielraum für die Löhne so groß ist wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Jeden Euro, den die Unternehmen einnehmen können sie nur einmal ausgeben. Entweder in Form von Zinsen an die Banken, als Dividenden an die Aktionäre oder als Löhne an die Mitarbeiter.
Bemerkenswert ist Horns folgende Behauptung, die den Schluss nahe legt, dass die Sparvermögen in nennenswerten Umfang den Arbeitnehmern gehören: „Würden die Zinsen angehoben, so könnten einige Anleger zwar höhere Erträge auf ihre Spareinlagen verzeichnen. „Viele Sparer würden aber schlicht ihren Arbeitsplatz verlieren“, erklärt Horn. Denn die Verteuerung von Krediten bremst die Wirtschaftsleistung. Investitionen unterbleiben, weil Darlehen zu kostspielig wären. „Denn es ist üblich und vernünftig, Investitionen mit Krediten zu finanzieren“, so DIW-Ökonom Fichtner.“
Entsprechend vernünftig wäre es auch, wenn gewerkschaftsnahe Institute Vorschläge unterbreiten würden, wie es gelingen kann, das Geld auch bei anhaltend niedrigen Zinsen dauerhaft im Umlauf zu behalten und wie es gelingt, eine auf Dauer inflationsfreie Währung zu schaffen.
Klaus Willemsen, 15.10.2013
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