Am Beispiel einer Bäuerin in einem Dorf in Bangladesch wird erläutert, wie aus einem Kleindarlehen ein Schuldenberg wird. Kein Einzelfall, meinen die Autoren. Dabei gelten Mikrokredite inzwischen als zentrales Instrument zur Armutsbekämpfung. Die Grundidee ist, dass arme Menschen mit Hilfe eines Mikrokredits ein kleines Geschäft aufbauen, das mangels herkömmlicher Bank in der näheren Umgebung sehr wahrscheinlich nie entstanden wäre. Aus den Erlösen sollen Lebensunterhalt und Zinsen bestritten werden. Das habe vielen Kreditnehmern tatsächlich einen Weg aus der Armut möglich gemacht. Über die Erfolgsquote gebe es allerdings sehr unterschiedliche Angaben.
Die Grameen Bank von von Muhammad Yunus spricht von 7,5 Millionen Kreditnehmerinnen und einer Erfolgsquote von 64 Prozent. Entsprechend viele Mikrokreditnehmer hätten nach fünf oder mehr Jahren der Betreuung die Armut überwunden: "Dagegen steht jedoch eine Analyse des Wirtschaftswissenschaftlers Anu Muhammad von der Jahangirnagar Universität in der Nähe von Dhaka, der Hauptstadt Bangladeschs: Ihr zufolge profitieren nur fünf bis zehn Prozent der Kunden von den Krediten. Bei 45 bis 50 Prozent ändert sich die Lage kaum, und 40 Prozent stehen zum Teil erheblich schlechter da als vorher - nicht mehr nur arm, sondern bis über beide Ohren verschuldet, meist bei mehreren Kreditgebern."
Ein wesentlicher Grund dafür dürfte sein, dass die Grameen Bank inzwischen zahlreiche Mitbewerber hat, "die mit kleinen Darlehen große Geschäfte machen wollen", wie "natur + kosmos" schreibt. Ein anderer Grund ist die Fehlerhaftigkeit des Zinssystems, die zwangsläufig zu riesigen Schulden- und Vermögensbergen führt und nicht dazu, dass Geld gleichzeitig als Tauschmittel und Wertaufbewahrungsmittel funktioniert. Mit einem "fließenden Geld" sähe das womöglich anders aus.
