"Nicht auf Kosten der anderen"

... zitiert die sozialistische Tageszeitung "Neues Deutschland" Silvio Gesell zu seinem 150. Geburtstag. Damit stellt der Beitrag den solidarischen und gemeinwohlorientierten Grundgedanken der Gesell’schen Lehre heraus. Erfreulich nüchtern und eher wohlwollend schreibt Rolf Höller über den Stammvater der Freiwirtschafts-Bewegung.

Der positive Grundton lässt einen über die Schwächen und Ungenauigkeiten des Beitrages hinwegsehen. So heißt es beispielsweise: "Gesell wollte es (das Geld) entwerten. Nicht durch Anwerfen der Notenpresse, die qua Inflation nur zu panischen Reaktionen geführt hätte, sondern durch die Einführung negativer Sparzinsen. Dadurch sollte das auf der Bank liegende Geld allmählich an Wert einbüßen." <link www.neues-deutschland.de/artikel/220788.nicht-auf-kosten-der-anderen.html - external-link-new-window "Opens external link in new window">ND 10.03.2012</link>

Gesells Ziel war es, ein wertstabiles Geld zu schaffen. Spareinlagen sollten eben nicht mehr an Wert einbüßen. Sparzinsen sollen nach seinem Vorschlag dauerhaft gegen Null sinken können. Dies wollte er durch eine Gebühr auf Liquidität, damals auf das Bargeld, erreichen. Dieser feine Unterschied zwischen negativen Sparzinsen, die sich auf die gesamten Ersparnisse beziehen und einer Gebühr auf Liquidität, die letztlich lediglich spekulativ gehortetes Geld betrifft, scheint schwerer verständlich zu sein. Selbst Anhänger der Geldreform-Bewegung werfen diese beiden grundsätzlich verschiedenen Maßnahmen gerne durcheinander.

Sehr erfreulich aus Sicht der INWO ist die Würdigung von Gesells Werk auf dem Hintergrund der aktuellen, weltweiten Finanzkrise. So schreibt der Autor: "Doch spätestens als im Jahr 2010 der Handel von Währungen und von Terminwetten auf solche Geschäfte, den Derivaten, den Wert aller weltweit produzierten Güter und erbrachten Dienstleistungen um das 24-fache überstieg, dürfte die Idee des Gesell'schen Schwundgeldes bei IWF, Weltbank und EU-Währungshütern an Attraktivität gewonnen haben."

Der objektive Leser ist gerne bereit dem Autor die Benutzung des linken Kampfbegriffes „Schwundgeld“ nachzusehen. Ärgerlicher ist die Behauptung, Gesell hätte sich nicht von nationalsozialistischen Demagogen distanziert. Das Gegenteil ist richtig. Gesell hat schon sehr früh vor den braunen Rattenfängern gewarnt und immer wieder versucht, Gewerkschaften und Bürgerliche für die Notwendigkeit einer stabilen Währung zu gewinnen. Im Nachhinein können wir festhalten, dass mit der Gesell’schen Währungsreform das Elend der Massenarbeitslosigkeit vermeidbar gewesen wäre, mit allen weiteren Konsequenzen. Trotz dieser Schwächen ist der Beitrag von Rolf Höller unbedingt empfehlenswert.

 

Klaus Willemsen, 13.03.2012

Der Autor ist freier Referent und ehrenamtlicher Vorstand der „<link www.inwo.de/&gt;Initiative für Natürliche Wirtschaftsordnung</link> e.V.“.

 

Verwendete Quelle:
Neues Deutschland, sozialistische Tageszeitung
<link www.neues-deutschland.de/artikel/220788.nicht-auf-kosten-der-anderen.html&gt;http://www.neues-deutschland.de/artikel/220788.nicht-auf-kosten-der-anderen.html</link>