VonAnfang Juli bis Mitte August fiel der DAX von 7500 auf 5500 Euro und verlor damit ein Drittel seines Wertes. Für die Fachpresse, aber auch für die Nachrichten des breiten Publikums, konnten die Schlagzeilen nicht dramatisch genug sein. Das Wirtschaftswachstum sei bedroht und die positive Beschäftigungsentwicklung könnte sich wieder ins Gegenteil wenden. Sogar das Vermögen der deutschen Sparer schien ernsthaft bedroht. Wer noch im Juni 100.000 € in seinem Aktiendepot wusste, musste sich Mitte August mit dem Wert von 70.000 € zufrieden geben.
Wen trafen diese Verluste tatsächlich?
Einen realen Verlust von 30% hatten nur die Investoren, die erst im Juni, in der Hoffnung auf weiter steigende Kurse, eingekauft hatten und im August, aus Angst vor weiter fallenden Kursen, frühzeitig verkauften. Ein Verhalten von dem in erster Linie die Spekulanten betroffen sind. Leute, die mit kurzfristig geliehenem Geld Wetten abschließen und dann zu Notverkäufen gezwungen sind. Der Sparer, der gewissenhafte Investor und der Fondverwalter sind von diesen kurzfristigen Ausschlägen nicht betroffen. Es sei denn sie wollen vom Kursabsturz profitieren, frühzeitig verkaufen, um dann Tage später billiger zurückkaufen zu können. Dann betätigen sie sich allerdings als Spekulanten und gehen ein entsprechendes Risiko ein.
Bürger und Konsumenten, selbst wenn sie über ein nennenswertes Depot verfügen, betreffen diese kurzfristigen Schwankungen kaum. Selbst die Aktiengesellschaften bleiben im wesentlichen unberührt. Bei einem anhaltenden Kursabfall kann die nächste Dividende geringer ausfallen. Und wenn eine Neuemission notwendig erscheint, wird der Ertrag für die Firma geschmälert. Auf den Umsatz und die Ertragslage eines Unternehmens hat der Aktienkurs keine negative Auswirkung.
Kurseinbrüche treffen vor allem die Zocker
Ernsthaft bedroht sind Akteure, die Aktien als Sicherheiten anbieten, um mit dem Geld anderer Leute zu „pokern“. Mit den Kursen schmelzen ihre ohnehin spärlichen Sicherheiten dahin. Bei diesen Instituten sind die meisten Analysten beschäftigt. Und damit erklärt sich auch die Hysterie, die von den Analysten ausgeht, von den Medien dankbar als Schlagzeile aufgegriffen wird und von allen, die glauben, etwas zu sagen zu haben, gedankenlos weitergegeben wird.
Klaus Willemsen, 25.8.2011
