Ratschläge für Griechenland

Viele bunte Ratschläge prasseln aus dem deutschen Medienwald auf die Griechen und ihre Politiker nieder. Doch nur wenige der Ratgeber haben begriffen, was es bedeutet, überschuldet zu sein.

Zu denen, die dies seit langem erkannt haben gehört der Finanzexperte der FDP-Bundestagsfraktion, Frank Schäffler. Er kritisierte die Haltung der Bundesregierung  als "verantwortungslos". Deutschland finanziere das Defizit des "bankrotten griechischen Staats", sagte er dem <link http: www.handelsblatt.com politik international griechenland-keine-angst-vor-der-pleite external-link-new-window external link in new>Handelsblatt. Sein Kollege, FDP-Haushaltsexperten Otto Fricke wendet sich direkt an die griechische Bevölkerung: "Wenn sie glaubt, dass es einen leichten Weg aus der Schuldenkrise gibt, wie das radikale Politiker dort vorgaukeln, dann ist das ein Trugschluss." Was er allerdings nicht sagt ist, dass die Verarmung auf der einen Seite der Bilanz nicht überwunden werden kann, ohne den Reichtum auf der anderen Seite der Bilanz anzurühren. Und hierbei einen gerechten Ausgleich hinzubekommen, ist auch für liberale Politiker bis heute ein Gordischer Knoten.

Die Misere für Europas Bürger besteht darin, dass liberale wie linksradikale Ökonomen gleichermaßen davor zurückscheuen, die grundlegenden Widersprüche zu benennen. Solange sich Geldvermögen und Schulden durch exponentielles Wachstum vermehren, ist keine stabile Entwicklung möglich. Solange der private Bodenbesitz unbegrenzt zur Anhäufung von Macht und Reichtum genutzt wird, kann Gerechtigkeit nur als Nische und Feigenblatt existieren.

Die Kritik der SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles, an den Forderungen nach einem Zahlungsstopp, hilft keineswegs weiter. Sicherlich ist ihr zuzustimmen, wenn sie sagt: „Es sei nicht klug, Griechenland zu drohen.“ Aber einfach weiter zahlen und auf ein Wunder hoffen, ist keine Hilfe für die Menschen. Die Sozialdemokratie sollte dem griechischen Volk ein Angebot machen, welche Hilfen nach der Insolvenz und für einen Neuanfang zur Verfügung stehen. Frau Nahles, allen Abgeordneten und den Beratern möchte ich nahe legen, sich trotz ihrer üppigen Gehälter und umfangreichen Absicherungen, mit der Situation einer Insolvenz vertraut zu machen.

Viele Länder der so genannten Dritten Welt werden seit Jahrzehnten in einer dosierten Überschuldung gehalten, um sie so gefügig und zahlungsfähig zu halten. Es ist den Gerichten zu wünschen, dass sie sich dem entziehen können. Dazu braucht es ein Ende mit Schrecken. Nur so können sie dem Schrecken ohne Ende vermeiden. Von Frau Nahles und Herrn Fricke sind diesbezüglich noch keine brauchbaren Vorschläge bekannt.

Klaus Willemsen, 10. 05.2012
Der Autor ist freier Referent der <link http: www.inwo.de>Initiative für Natürliche Wirtschaftsordnung e.V. Weitere Kommentare des Autors finden Sie auf <link http: www.inwo.de medienspiegel>www.INWO.de/Medienspiegel

Verwendete Quelle:
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