Schäuble gegen Moody's

„Die Politik verliert die Geduld mit den Ratingagenturen. Finanzminister Schäuble sagt ihnen den Kampf an, auch EU-Kommissionschef Barroso will handeln“, schreibt die Süddeutsche Zeitung. Doch kein Mensch würde sein Erspartes derzeit dem portugiesischen Finanzminister anvertrauen, gleichgültig, wie die Ratings lauten.

Neue Kredite gibt es nur von Verwaltern fremden Geldes. Wer die Hoffnung hat, aus dieser Anlage in 30 Jahren seinen Lebensabend bestreiten zu können, lässt die Finger davon. Mit dem hemmungslosen Schuldenmachen, über Jahrzehnte hinweg, haben die meisten Staaten das Vertrauen der Gläubiger verspielt. Einzig das Versprechen von Herrn Schäuble und Co. letztlich alle EU Steuerzahler zu zwingen, Zinsforderungen in beliebiger Größenordnung zu begleichen, motivierte noch einige Zocker portugiesische Anleihen zu kaufen. Die Ratingagentur Moody's hat portugiesische Staatsanleihen daher zu Recht auf Ramschstatus abgewertet. Es zeugt von einer dreisten Unverfrorenheit, wenn die Verantwortlichen für die grandiose Überschuldung nun auf den Überbringer der schlechten Botschaft eindreschen.

Zu Recht haben Schäuble und Co. den Agenturen völliges Versagen bescheinigt, als es darum ging, rechtzeitig vor dem Zusammenbruch des Finanzmarktes 2008 zu warnen. Ihnen nun „Terrorismus“ vorzuwerfen, wie dies der der frühere Industrieminister Luís Mira Amaral tut, und zu behaupten, die "Ratingagentur treibt Portugal in den Bankrott", wie es die <link http: diarioeconomico.com>Wirtschaftszeitung Diario Económicotitelte, kommt dem Werfen von Blendgranaten gleich.

Alle europäischen Länder sind hoffnungslos überschuldet. Selbst Deutschland, mit Schäuble als Verantwortlichem und mit ungeahnten Rekord-Steuereinnahmen, ist nicht in der Lage mit den Einnahmen die Ausgaben zu decken. Zinszahlungen von 70 Mrd. € machen jeden noch so ernst gemeinten Konsolidierungsansatz zunichte. Dabei zahlt Schäuble für langfristige Anleihen weniger als 3 %. Die Portugiesen müssen nun 15 % für die Sparer und Anleger aufbringen. Das ändert auch keine europäische Ratingagentur mit genehmen Beurteilungen. Der Finanzmarkt lässt sich auch durch ein besseres Rating auf Dauer nicht täuschen. Der portugiesische Haushalt kann nur Bestand haben, solange sich die europäischen Steuerzahler im Schwitzkasten halten lassen.

 

Den Artikel „Schäuble und EU-Kommission vs. Moody's - Kampfansage an die Ratingagenturen“ vom 06.07.2011 finden Sie kostenlos auf <link http: www.sueddeutsche.de geld schaeuble-und-eu-kommission-vs-moodys-kampfansage-an-die-ratingagenturen-1.1116846 external-link-new-window externen link in neuem>www.Süddeutscher.de.

 

 

Klaus Willemsen, 07.07.2011