Schluss mit der Null-Zins-Politik

… fordert die WZ in einem Kommentar von Lothar Leuschen. Der Beitrag ist ein Paradebeispiel für die Verwirrung beim Thema Geldpolitik. Auf einem Feld, das sich Wissenschaft nennt, maßgeblich jedoch auf reinen Glaubenssätzen aufbaut, verwickeln sich Ökonomen und Semi-Ökonomen gerne in Widersprüche.

Lothar Leuschen hängt in seinem Beitrag mehrere der populären Missverständnisse aneinander: „<link http: www.wz-newsline.de home leitartikel schluss-mit-der-null-zins-politik-1.1430644 external-link-new-window in neuem fenster>Billiges Geld vernichtet Sparguthaben, weil Banken sich beim Staat günstiger mit frischem Geld versorgen können und deshalb niedrige Guthabenzinsen gewähren.“ Dieser Satz ist in mehrfacher Hinsicht irreführend. Sparguthaben werden nicht dadurch vernichtet, dass die Zinssätze gegen Null gehen. Eine Wertminderung der gesparten Summe entsteht erst durch das Erzeugen von Inflation. Frisches Geld holen sich die Banken nicht beim Staat, sondern bei der Notenbank. Dafür müssen sie aber Sicherheiten hinterlegen. Maßgeblich für das niedrige Niveau der Guthabenzinsen sind jedoch die gewaltigen Ersparnisse. Das hohe Angebot drückt den Preis, was ein wünschenswerter marktwirtschaftlicher Effekt ist. Fraglich ist auch, ob der Begriff "vernichten" angemessen ist, solange man für 3 bis 5-jährige Laufzeiten einen der Inflationsrate entsprechenden Zinssatz erzielen kann.

Eine weitere, gängige Ungenauigkeit lautet: „Außerdem treibt zu viel Geld im Markt die Preise hoch, führt zu ungezügeltem Konsum und letztlich zu noch mehr überschuldeten Privathaushalten.“ Richtig ist: zu viel Geld im Markt kann die Währung entwerten und führt entsprechend zu höheren Preisen. Für den Verbraucher kann es daher sinnvoll sein, einen Kredit aufzunehmen und vorzeitig zu kaufen. Tatsache bleibt jedoch, dass jeder Kredit zurückgezahlt werden muss, und man wird nur schwerlich eine Bank finden, die die zu erwartende Inflationsrate nicht in den Kredit einpreist. Die Gefahr der Überschuldung besteht dann, wenn die Banken bei der Bonitätsprüfung der Kunde fahrlässig handeln, oder dann, wenn die Kreditzinsen unerwartet deutlich ansteigen.

Die unpräzise Verknüpfung von Sachverhalten führt zu folgenschweren Fehlannahmen wie dieser: „die Wirtschaftslage insgesamt wird labil, wenn jeder glaubt, sich alles leisten zu können, weil Kredite nichts kosten“. Die Instabilität resultiert aus der Unfähigkeit der Notenbank, auch bei niedrigen Zinsen Geldwertstabilität zu gewährleisten. Aus Sicht der Kreditnehmer verkehrt sich die Annahme des Autors sogar ins Gegenteil: erst steigende Kreditkosten erschweren es Unternehmen, Staaten und privaten Schuldnern ihren Verpflichtungen nachzukommen.

Falsch liegt der Autor auch mit der Annahme: „Gleichzeitig steigen mit der Nachfrage nach Konsumgütern die Verbraucherpreise. Die Folgen sind Firmenpleiten und Privatinsolvenzen.“ Höhere Preise führen nicht zur Zunahme von Firmenpleiten und bei den Verbrauchern dämpfen sie allenfalls die Konsumlaune. Die Ursache für Überschuldung und Insolvenzen liegt in steigenden Zinslasten durch nicht einkalkulierte Zinserhöhungen. Ganz sicher sind Insolvenzen nicht die Folge niedriger Zinsen.

Was wir brauchen ist demnach nicht ein Ende der Null-Zins-Politik. Was wir brauchen ist ein Notenbankinstrumentarium, das auch bei einem Geldmarktzins um Null, die Sicherung des Geldumlaufs, die Versorgung des Kreditmarkts und eine Begrenzung der Geldnachfrage gewährleistet.

Klaus Willemsen, 25.9.2013

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