Zwar sprechen auch Sie vom Strafzins, Gerüchten und dass die Commerzbank etwas „zugeben" musste. Doch bringen Sie, im Unterschied zu den meisten Ihrer Fachkollegen, die volkswirtschaftliche Problematik auf den Punkt: <link http: www.sueddeutsche.de wirtschaft commerzbank-strafzinsen-aus-frankfurt-1.2230005>„Die stockende Kreditvergabe ist das zentrale Problem der europäischen Wirtschaft“ und „der Strafzins soll dann fällig werden, wenn Großkonzerne offensichtlich Geld bei der Bank parken." Im Weiteren benennen Sie den Urheber dieser neuen Kosten: „Mit dem Vorgehen will die EZB die Banken dazu anreizen, überschüssiges Geld als Kredit an die Wirtschaft zu verleihen, statt es bei der Notenbank zu parken.“ Und Sie vergessen nicht zu erwähnen, dass diese Gebühren nur bei Geldhaltern greifen, die aus spekulativen Gründen enorme Summen liquide halten, eben „nur, wenn es sich um kurzfristige Einlagen in mindestens zweistelliger Millionenhöhe handelt.“
Amüsanter Weise konterkarieren Sie Ihren klaren Beitrag am Ende durch die Äußerungen von zwei Verbandsvertretern, die offensichtlich von der aktuellen Geldmarktpolitik keinerlei Ahnung haben. So zitieren Sie Martin Wansleben vom Deutschen Industrie- und Handelskammertag mit der Behauptung: „Statt Investitionen zu fördern, führe der negative Einlagenzins nun zu weiteren Belastungen für die Wirtschaft.“ Jedem Leser wird klar geworden sein, dass die Geldgebühr eben gerade das Geldvermögen trifft, das nicht investiert wird. Wird der Geldhalter zum Investor, löst er die Hortung auf und die Geldhaltegebühr wird vermieden. Ebenso peinlich ist die Äußerung, mit der Lutz Goebel, der Präsident des Verbandes "Die Familienunternehmer", zitiert wird: "Jede Geschäftsbank sollte sich überlegen, ob sie den Schritt geht, Strafzinsen auf Einlagen zu verlangen". Familienunternehmen leben nicht davon, mehrstellige Millionenbeträge zu horten. Sie profitieren aber davon, wenn der Markt ein ausreichend großes und langfristig günstiges Kreditpotenzial zur Verfügung stellen kann. Er sollte die Hortungsgebühr bejubeln.
Klaus Willemsen, 26.11.2014
Verwendete Quelle:
www.sueddeutsche.de/wirtschaft/commerzbank-strafzinsen-aus-frankfurt-1.2230005
