Sehr geehrter Herr Gabor Steingart,

am 4.2.2015 schrieben Sie im Handelsblatt Morning Briefing: Früher wurde man durchs Konsumieren arm, heute durchs Sparen. - Es ist nicht anzunehmen, dass Sie dies wirklich glauben. Es stellt sich daher die Frage, warum Sie dergleichen publizieren?

Ihr Briefing im Wortlaut: >> Das Marktforschungsunternehmen GfK stellt heute seine Prognose für die Entwicklung des Konsums in Deutschland und Europa vor. Der private Verbrauch beeinflusst gemeinsam mit dem Export, den Investitionen und den Staatsausgaben das Bruttoinlandsprodukt; hierzulande gilt der Konsum seit Jahren als wichtige Stütze der Konjunktur. Wie haben sich doch die Dinge im Zeitalter der Nullzinspolitik verändert! Früher wurde man durchs Konsumieren arm, heute durchs Sparen. <<

Die Formulierung liest sich gut, besonders wenn man morgens noch nicht ganz wach ist. Die Aussage ist aber sachlich falsch. Da bei der Saldierung von Soll- und Habenzinsen pro Zeiteinheit nur ein Zehntel der Wirtschaftsteilnehmer zu den Gewinnern gehören, weitere 10 Prozent sich mit einem Plus-Minus-Null zufrieden geben müssen, gibt es eben in jeder jährlichen Verteilungsrunde 80 Prozent Verlierer. Wenn es tatsächlich gelingen würde, bei einem stabilen Preisniveau, den Zins (einschließlich der Kapitalrente) durch die Marktkräfte und nicht durch administrative Maßnahmen der EZB, um Null pendeln zu lassen, gäbe es 90 Prozent Gewinner. Die Sparer könnten ein Vielfaches von dem zurücklegen, was die bisher übliche Verzinsung ihres Sparguthabens erbringt. Eine Wirtschaftszeitung, die diese Zusammenhänge nicht thematisiert, macht sich verdächtig, ein Propagandablatt zu sein.

Es grüßt Sie Tristan Abromeit, 7.2.2015