Von einer Goldgräberstimmung berichtet der SPIEGEL. In Ostdeutschland kaufen Aktionäre und Privatinvestoren im großen Stil Land ein - und spekulieren auf steigende Preise. Die Bauern können nicht mehr mithalten und schimpfen auf die Herren im dunklen Anzug: "Es ist schlimmer als zu Wende-Zeiten.", sagt beispielsweise Wolfgang Beer, Geschäftsführer der Gerbstedter Agrar GmbH in Sachsen-Anhalt.
"Im September lief nach 18 Jahren ein Pachtvertrag für 200 Hektar aus, das Land, das dem Bund gehörte, stand zum Verkauf. Vor neun Monaten lag der Preis noch bei 9500 Euro pro Hektar, dann stieg die Nachfrage nach Ackerflächen auf Rekordhöhen. Inzwischen hat er sich fast verdoppelt, auf 17.500 Euro. (...) Ähnlich läuft es überall in Ostdeutschland. Zwischen Ostsee und sächsischer Schweiz sind die Preise für Wald, Acker und Weiden massiv gestiegen, zum Teil um bis zu hundert Prozent."
Einkäufer sind millionenschwere Fondsgesellschaften, branchenfremde Konzerne und vermögende Privatleute. Nachdem es früher "Junkerland in Bauernhand" hieß, lautet das Motto nun "Bauernland in Bonzenhand." Damit hat laut SPIEGEL ein globaler Trend die deutsche Landwirtschaft erreicht.
"So funktioniert eben Marktwirtschaft", meint Bodenhändler Dirk Meier Westhoff. Die Nachfrage steige, das Flächenangebot stagniere oder schrumpfe, also würden die Preise steigen. Das Problem ist nur, dass der Boden keine beliebig vermehrbare Ware ist, wo marktwirtschaftliche Mechanismen greifen. Produziert jemand ein gefragtes Produkt, wird es bald Konkurrenz geben, die für sinkende Preise sorgt. Das funktioniert beim Boden nicht. Dazu kommt, dass oft monopolartige Strukturen entstehen, mit entsprechenden Folgen wie Monokulturen und industrieller Land- ud Viehwirtschaft.
Die INWO beschreibt, wie eine gerechte und nachhaltige Bodenreform aussehen könnte, die nicht nur in diesem Bereich monopolartige Strukturen überwinden würde. Unterstützen Sie unsere Bildungsarbeit, die - wie das oben beschrieben Beispiel zeigt - immer wichtiger wird.
