„Staatsanleihekaufprogramm muss groß sein“

Damit das Staatsanleihenkaufprogramm der EZB wirkt, muss es groß sein, hat EZB-Direktoriumsmitglied Benoît Cœuré bereits im Vorfeld der Entscheidung verkündet. Mit dem nun beschlossenen Volumen von 1,14 Billionen Euro ist es nicht nur groß, sondern geradezu gigantisch. Oder vielleicht doch nicht?

Setzt man diese Summe ins Verhältnis zu den 300 Milliarden Euro des deutschen Staatshaushaltes, wirkt sie bedrohlich. Vergleicht man sie jedoch mit den 4,5 Billionen täglich fälliger Einlagen im Euroraum, von denen ein großer Teil gehortet wird, relativiert sich diese Summe. Sie ist sogar nicht einmal halb so groß wie der Anstieg des Volumens dieser täglich fälligen Einlagen zwischen 2002 und 2014.

Warum ist der Vergleich mit diesen Sichteinlagen der Nichtbanken relevant?
Der dramatisch überproportionale Anstieg der Sichteinlagen ist der Grund dafür, dass man immer neues Geld in den Wirtschaftskreislauf pumpt. Der Vergleich macht dabei deutlich, warum nur eine gigantische Größenordnung überhaupt Wirkung erzeugen kann. Und er macht gleichzeitig deutlich, dass es sich bei dem Kaufprogramm um die falsche Methode handelt, weshalb die Wirkung, trotz der Dimension, fragwürdig bleibt. Die Hortung in liquiden Kassen, oft zu Spekulationszwecken, reduziert das Konsum- und Investitionsvolumen und sie verhindert ein weiteres Absinken der Kapitalmarktzinssätze. Und dadurch auch ein dauerhaftes Absinken der kalkulatorischen Renditeziele bei Sachkapitalinvestitionen. Das sind die ökonomischen Probleme, denen sich Draghi entgegenstemmen möchte.

Das zusätzliche Geld der EZB erzeugt eine höhere Inflationserwartung und damit einen gewissen ökonomischen Druck auf die gehorteten Bestände. Es hat dabei jedoch ganz massive negative Auswirkungen auf die Geldstabilität und verhindert vor allem ein dauerhaft niedriges Kapitalmarktzinsniveau. Durch direkte Kosten für die Geldhortung würde man auf elegante Weise viel mehr Geld aktivieren und damit die Deflationsgefahr bannen, ohne weiteres Inflationspotenzial erzeugen zu müssen.

Mit dem jetzt vollzogenen <link http: www.wiwo.de politik ausland ezb-banker-staatsanleihekaufprogramm-muss-gross-sein>„Schritt nach dem Vorbild der US-Notenbank soll ein Preisverfall auf breiter Front in der Euro-Zone verhindert, die Kreditvergabe in der Euro-Zone beflügelt und der schwächelnden Konjunktur auf die Beine geholfen werden.“ Außerdem sei es das Ziel, so Cœuré, <link http: www.wiwo.de politik ausland ezb-banker-staatsanleihekaufprogramm-muss-gross-sein>„Vertrauen zu schaffen in die Fähigkeit einer Zentralbank, die Inflation zu stabilisieren."

Die Aufgabe der Geldpolitik besteht darin, ein stabiles und funktionierendes Geld zu gewährleisten. Die Inflation ist lediglich ein allenfalls zweitbestes Konstrukt, um die Geldzirkulation anzuregen. Mit seiner <link http: www.bis.org review r140911a.htm>Rede am 9.9.2014 und seinen Hinweisen auf den Geldtheoretiker Silvio Gesell war <link http: www.heise.de tp artikel>Benoît Cœuré einem eleganteren Lösungsansatz bereits ganz nahe. Vertrauen schafft die EZB, wenn sie ihr Instrumentarium sinnvoll ergänzt und dabei die Sorgen der Bevölkerung berücksichtigt. Mehr Kreativität bei der Verbesserung der Geldordnung stünde dabei allen Protagonisten gut zu Gesicht. Es steht viel auf dem Spiel.

Klaus Willemsen, 27.1.2015

Verwendete Quellen:
<link http: www.wiwo.de politik ausland ezb-banker-staatsanleihekaufprogramm-muss-gross-sein>www.wiwo.de/politik/ausland/ezb-banker-staatsanleihekaufprogramm-muss-gross-sein/11240088.html

<link http: www.heise.de tp artikel>www.heise.de/tp/artikel/42/42760/1.html

<link http: www.bis.org review r140911a.htm>www.bis.org/review/r140911a.htm